Eurowings – da kannst Du gleich die Bahn nehmen

Irgendwie ist kein Seegen auf meinen Reisen nach Berlin. Schon vor etwas mehr als einem Jahr blieb ich bei einer Reise mit einer Lufthansa-Tochter in Berlin hängen. Gestern stich die Lufthansa-Tochter Eurowings meinen Flug ersatzlos.

Im März 2015 vollzog ein Mitarbeiter des Unternehmens einen erweiterten Suizid. In den ersten Stunden, als die Hintergründe dieser schrecklichen Tat noch nicht klar waren, gab es Gerüchte über einen technischen Defekt am Fluggerät.Woraufhin zahlreiche Flugzeugbesatzungen nicht zum Dienst antraten. Mich wundert ja bis heute, daß dieser Aspekt der Tragödie in der Öffentlichkeit so wenig Beachtung fand. Denn wenn die eigenen Mitarbeiter offensichtlich so wenig Vertrauen in die eigenen Arbeitsgeräte haben, dann ist das in meinen Augen ein beängstigendes Warnsignal. Damals löste das Unternehmen das Chaos mit einem Umbuchen auf Air Berlin auf. Das Ergebnis waren einige Stunden Verspätung. Auf eine Entschuldigung für meine Unannehmlichkeiten warte ich bisher übrigens vergebens. Service sieht – bei allem Verständnis für wichtige Dinge im Zusammenhang mit diesem Tag – anders aus!

Gestern erlebte ich – ausgerechnet – in Berlin ein Déjà-vu. Nach einem Arbeitswochenende mit einem aufregenden Auto-Test in der Hauptstadt wollte ich mit Eurowings nach Düsseldorf fliegen. Ich lag gut in der Zeit, musste am Flughafen Tegel sogar noch etwas Wartezeit überbrücken. Ich nutzte diese, um in der Business-Lounge einen Kaffee zu trinken. Rund 50 Minuten, bevor der Flug zum Boarding anstand, informierte mich eine Lautsprecherdurchsage, dass der Flug annulliert sei. Die freundliche Stimme bat mich, zum Schalter in der Business-Lounge zu kommen. Dort erfuhr ich von einem Defekt der Notrutsche des eingeplanten Flugzeugs. Daher könne die Maschine – nachvollziehbarerweise – nicht fliegen. Meiner Bitte, mich umzubuchen, konnte die freundliche Dame jedoch nicht erfüllen. Ihr würde das notwendige Programm fehlen. Ich möge dazu bitte den Schalter in der Abflughalle aufsuchen.

Gesagt, getan – dank meiner langen Beine hatte ich Glück, dass ich vor der Masse der anderen Fluggäste den Schalter erreichte. Doch auch dort weigerte sich ein – extrem unfreundlicher Mitarbeiter – eine Umbuchung vorzunehmen. Alle Flüge seien voll. Mein Vorschlag über Frankfurt oder München zu fliegen, schlug der Mann lapidar mit einem schnodderigen „Kommt gar nicht infrage!“ ab. Zudem müsse er das auch nicht prüfen, alle Flüge seien ja voll.

Gehts noch Eurowings?

Ich fliege fast jede Woche mit irgendeinem der inzwischen zahlreichen Lufthansa-Unternehmen zu geschäftlichen Terminen. Als Kunde erwarte ich, dass man mir zumindest Mindeststandards der Höflichkeit entgegenbringt. Gestern war das nicht der Fall. Statt einer Umbuchung wurde den Kunden nur ein Bahngutschein „zugeteilt“. Angesichts des arroganten Verhaltens des Schalterbediensteten verbietet sich jeder andere Begriff. Mal ganz sachlich. Ich habe mich bewusst für eine Flugreise entschieden. Denn der Zug benötigt von Berlin bis Essen rund 3 ½ Stunden. Mit dem Flieger geht es in einer Stunde nach Düsseldorf. In beiden Fällen benötige ich anschließend eine ½ Stunde für den restlichen Heimweg. Insgesamt gewinne ich mit dem Flieger also gut 2 ½ Stunden.

Auf meine Frage, wie ich denn zum Bahnhof komme, bekam ich nur einen – ebenfalls unverschämt formulierten Hinweis – zu den vor dem Flughafen fahrenden Bussen. „Da müssen Sie mal gucken!“ Dabei unterlegte der Herr seine eher unkonkrete „Hilfestellung“ mit einem genervten Winken der Hand. Sollte wohl heißen, dort stehen die irgendwo Busse, nun frag nicht so doof. Offensichtlich ging es diesem Lufthansa-Mitarbeiter nur darum, die betroffenen Kunden loszuwerden. Natürlich ist mir klar, dass das gestern eine Ausnahmesituation war. Trotzdem muss es möglich sein, an einem Sonntag Nachmittag an einem Infoschalter einen Menschen einzusetzen, der zumindest im Ansatz etwas von seinem Job – zudem Freundlichkeit gehört – versteht.

Gestern war das zumindest in Berlin nicht der Fall. Das Verhalten der Fluggesellschaft und ihrer Mitarbeiter gegenüber den Kunden war inakzeptabel. Ich bin wirklich gespannt, was Eurowings sich in den kommenden Wochen zu dieser Geschichte einfallen lässt. Wobei ich da keine großen Hoffnungen hege. Denn der Servicestandard des Unternehmens, den der unfreundliche Mitarbeiter am Serviceschalter in Berlin repräsentierte, lässt nichts Gutes erwarten. Vielleicht sollte ich mich in Zukunft direkt für die Bahn entscheiden, denn da war das Personal gestern ausgesprochen freundlich.

Veröffentlicht von Tom Schwede

Tom lernte mit dem C64 die Welt der Informatik kennen. 1997 baute Tom seine erste Homepage und bloggt seitdem regelmäßig über Autos und Mobilität, Politik und Geschichte sowie das Internet.

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