Gibt es eigentlich Beweise?

Wenig los hier! Zeit ist ein knappes Gut. Und man schafft es einfach nicht, alles zu kommentieren, was man möchte. Denn nie war unser Wahlspruch “Weil es so viel zu kommentieren gibt!” so richtig wie heute. Denn immer noch ist das Internet, eines meiner Lieblingsthemen hier, für viele offenbar ein Buch mit sieben Siegeln. Gerade für die Profis. Und interessanterweise sowohl für die selbst ernannten Profis, die sich bei ihrem kläglichen Versuch, sich bewusst von Amateuren abzugrenzen, leider so lächerlich machen, dass ihre richtigen Botschaften leider niemand mehr lesen will, aber zunehmend auch die richtigen Profis, also denen, denen man mehr zutrauen sollte.

Deshalb muss jetzt, nachdem ich meinen eine Woche aufgestauten Frust über die Deutsche Bahn endlich abarbeiten konnte, etwas Zeit für das „PeerBlog“ sein. Der Versuch, eines Wahlkampfs auf die amerikanische Art, wie SPIEGEL ONLINE es zum Start nannte, wurde nur wenige Tage alt. Eigentlich wollte das Redaktionsteam einer Düsseldorfer Werbeagentur den Kandidaten der SPD bis zum Wahltag unterstützen. Schon als ich das erste Mal von diesem Projekt PeerBlog hörte, musste ich schmunzeln.

Denn die Medienkompetenz von Peer Steinbrück gilt nicht als sehr ausgeprägt. Als der SPD-Kanzlerkandidat im Dezember die Netzöffentlichkeit über Twitter zum Interview bat, diktierte Steinbrück seine Antworten vorsichtshalber einem Assistenten. Wahrscheinlich sah sein Team anders keine Möglichkeit, den Kandidaten mit den bei Twitter zur Verfügung stehenden 140 Zeichen antworten zu lassen. Denn damit kommt normalerweise ja nicht über die Einleitung hinaus. Da ist selbst der Papst, der als Oberhaupt der katholischen Kirche sonst ja nicht als besonders progressiv gilt, weiter. Denn dem Pontifex hatten seine Berater für einen ähnlichen Anlass ein iPad spendiert.

Mit dem PeerBlog sollte alles anders werden

Getragen durch fünf Unternehmer, die allerdings – und da fängt ein Teil des Problems an – anonym bleiben wollen, sollte das Blog die politische Kompetenz von Peer Steinbrück – auch ein Teil des Problems, des Kandidaten und nicht seiner Partei – betonen. Auch wenn PeerBlog-Autor Matthias Schwarzer inzwischen betont, dass das Blog nicht als Plattform für Steinbrück-Lobeshymnen angelegt war, allzu viel Kritik am Kandidaten hätte man vom PeerBlog wohl nicht erwarten können.

Nicht nur für Arno Klönne stellte das PeerBlog ein bemerkenswertes Lehrmaterial für das Fach Postdemokratie dar, das zudem die Grenzen der Parteienfinanzierung auslotet. Denn mit Ausnahme der SPD kritisierten alle Parteien das Angebot des Blogs. Zu Recht wurde die Frage gestellt, ob das Blog mit den Regeln der Wahlkampffinanzierung vereinbar ist. Wobei selbst wenn es das sein sollte, wäre mir das zu viel Person und zu wenig Programm.

Wurde es aber nicht!

Der Versuch PeerBlog endete nach wenigen Tagen. Angeblich haben Computerkundige mit technischen Attacken (Denial of Service – DoS) den Betrieb lahmgelegt. Das ist nicht auszuschließen, auch wenn die Agentur steinkühler.com dazu bisher keine echten Beweise vorgelegt hat, die diese These stützen. Doch selbst wenn es diese Attacken gegeben haben sollte, ein Grund ein technisch solide geplantes Internetangebot dauerhaft vom Netz zu nehmen, sollte das eigentlich nicht darstellen – nicht wenn man ernsthaft ein professionelles Internetangebot betreiben will.

Ich bin gespannt, ob die Agentur irgendwelche Beweise für die DoS-Attacken veröffentlicht. Unterlässt sie dies nämlich, setzt sie sich dem Verdacht aus, dass man vielleicht einfach nur kalte Füße bekommen hat.

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Hatte das Vergnügen in den 1970er-Jahren in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Dies wirkt offensichtlich bis heute nach. Denn Autos und Oldtimer beschäftigen den Auto Native bis heute. Dazu interessieren ihn Politik, Geschichte und Mobilität.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Zum Thema “Beweise”. Natürlich muss nichtmal eine Agentur “beweisen”, dass sie angegriffen wurde. Wo kämen wir denn hin, wenn jedes Opfer eines Angriffs erstmal belegen muss, dass der Angriff echt war.
    (Umgekehrt, wären die Angreifer nicht anonym sondern bekannt, müsste man ihnen natürlich immernoch den Angriff nachweisen! Und ja in der kuriosesten Konstellattion bedeutet das es gab einen “bewiesenen Angriff” und keinen “zweifelsfreien Täter”.

    ABER
    viel wichtiger finde ich den Hinweis, darauf, dass selbst ein echter Angriff kein Grund ist ein professionelles Webangebot zu entfernen. Und ich finde die Internetgemeinde(TM) nimmt, diese Erklärung sehr locker. Warum ist es auch einmal ok für Agenturen, Konzerne, Behörden nicht in der Lage zu sein eine Website zu betreiben? Trotz DDoS! Zumal mit fünf “Untenehmern”. Heißt das deren Webseiten würden beim DDoS auch eingestellt? o.O
    Was macht denn Sony oder Mastercard dann?

    Warum lacht man sich darüber nicht kringelig und nimmt das bei nächstbester Gelegenheit als “Kompentenzbeleg”, wenn wieder erzählt wird was für Profis über all um uns am Werk sind und das wir uns keine Sorgen machen müssen?

    Das irritiert mich am meisten.

    PS: Und Herr Schwarzers Eintrag ist keine Erwähnung wert. Der trieft ja nur so vor Selbstmitleid. “Uääh, mir wurde eine Plattform zur Selbstdarstellung genommen.” ist alles, was ich darin erkennen. Völlig unreflektiert. -.-

    • >Natürlich muss nichtmal eine Agentur “beweisen”,
      >dass sie angegriffen wurde. Wo kämen wir denn
      >hin, wenn jedes Opfer eines Angriffs erstmal
      >belegen muss, dass der Angriff echt war.

      Naja, irgendwie ist das doch so. Denn sonst ist das eine Vortäuschung einer Straftat.

  2. Nein bisher nicht. Dafür aber große Anklagen über die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch solche Internet-Aktionen. Das ist doch Realsatire was der Futzzy von der Agentur da erzählt.

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