Der kann was, der Kleine!

Der kann was, der Kleine!

Es geht die Pest um. Sie zeigt ihre grauenhafte Fratze in Gestalt von Vätern mit sogenannten Vererberqualitäten. Zumindest meinen sie welche zu haben. Mit verbissenem Ehrgeiz schmieden sie an der Zukunft ihrer Söhne, denn was die Väter glauben zu können, müssen kleine Jungs gefälligst besser machen. Looser und Weicheier haben keine Existenzberechtigung, wenn der Erzeuger mit Stolz geschwellter Brust seinen Nachwuchs vorführen will.

F-Jugend beim Training

„Bisse schwul oder watt? Nimm dat Trikot ‚runter und tu watte am besten kannst. Schieß Tore.“ Der etwa 8jährige Junge steht mitten auf dem Fußballfeld. Er hat sein gelbes Vereinstrikot vor sein Gesicht gezogen und sieht sich die Welt durch einen Schleier aus atmungsaktiver Mikrofaser an. Der hysterische Zuruf seines Vaters scheint ihn nicht weiter zu irritieren. An ihm vorbei tobt ein Knäuel von 9 weiteren Jungs, die verbissen um den Ball kämpfen.

„Also, der Kleine kann ja echt watt. Wir wollen ja auch bald mal zum Probetraining auf Schalke.“ Der Kleine, wie er herzig genannt wird, scheint allerdings keinerlei Ambitionen zu haben, bald in die Bundesliga aufzusteigen. Er schaut seinen Mannschaftskameraden hinterher und beschränkt sich aufs Schwitzen. „Jaaaa Junge, schon deine Kräfte für die zweite Halbzeit! Er ist ja echt ’n Schlauen. Dat is mein Sohn!“

 

Hirnlose Kanonenkugel

Zur gleichen Zeit auf einer Kartbahn. Ein draller 10Jähriger bringt seinem Kart das Fliegen bei. Karts können unmöglich fliegen, so denkt man, doch mit viel Ignoranz und einer guten Portion Dummheit kriegt man das tatsächlich hin. Mann muss seinem Vordermann nur ein paar Mal kräftig hinten ‚rein fahren und dann versuchen dort zu überholen, wo man absolut nicht überholen kann. Kurz verkeilt und schon fliegt das 6,5 PS-Gerät in leichter Schieflage über die Reifenstapel direkt in die nachfolgende Schikane. Den Zuschauern stockt der Atem.

Stint vorbei, Helme ‚runter und schon zückt der Vater des Crash-Piloten seinen pädagogischen Zeigefinger. Allerdings tut er dies nicht in Richtung seines Sprosses, sondern geht auf den Jungen los, der vor ihm fuhr:“Du musst aufpassen, wenn du überholt wirst!“ Und während sich das angesprochene Kind noch wundert, peitscht er schon wieder seinen Nachwuchs an:“Du warst schnell. Du kannst aber noch schneller!“ Nein, dem Jungen ist kein Bahnverbot bis in die Steinzeit erteilt worden. Und nochmals nein, diesem Vater hat niemand mal ordentlich (die Fresse poliert) den Hintern versohlt. Schade eigentlich, verdient hätte er es allemal.

Eigentlich braucht der einen Manager

Es ist Halbzeit. Die Sommersonne brennt der F-Jugend die Birnen weich. Der Kleine kraucht vom Spielfeld direkt in die Arme seines Vater:“Hömma Kleiner, iss ma was!“ Sprachs und schiebt dem ausgepumpten Kind eine Schale Pommes unter die Nase. „Kannich auch ’ne Cola?“ Klar kann er ’ne Cola. Gut gesättigt schleicht der neue Kuranyi kurz darauf wieder aufs Spielfeld zurück. An der folgenden 9:0 Packung trägt er nur eine Teilschuld.

„Is auch heiß heute, ne. Und der Schirri ist doch besoffen. Aber der Kleine iss ja so gut. Naja, laufen tut der nich so gerne, aber wenn der mal den Ball hat, dann is aber zappenduster.“ Genau! Und solange es im Hirn der Väter so zappenduster ist wie wenn der Kleine den Ball hat, solange gibt es dralle Crash-Piloten und Pommes in der Halbzeit.

Veröffentlicht von Karla Schwede

Autos sind mehr als Mobilität: Sie sind Design und Lebensfreude – auch wenn die eigenen Untersätze zunächst meist nach ihrem praktischen Nutzen ausgewählt wurden. Doch mit einem Mini fand dann irgendwann ein echter Designklassiker den Weg in die heimische Garage. Von da an war der Weg der vorgezeichnet. Der erste Autoartikel der Journalistin entstand in eigener Sache. Es galt mit der blubbernden Rennmaus, das eigene Fahrzeug auf SPIEGEL ONLINE vorzustellen. Kurze Zeit später entstand das erste Blog und 2007 folgte 1300ccm.de. Seit 2009 betreibt Karla zudem mit doctor-speed ein erfolgreiches Windhund-Blog.

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