Ägyptens versunkene Schätze in Bonn

Am Donnerstag hat die Bundeskunsthalle in Bonn eine ebenso spektakuläre, wie schöne Ausstellung für das Publikum geöffnet. Eine Meisterleistung der modernen Unterwasserarchäologie rettete „Ägyptens versunkene Schätze“ aus ihrem Grab im Mittelmeer.

Baumdicke Säulenfragmente aus rotem Granit liegen da, als hätten sie gerade erst kunstfertige Hände bearbeitet. Wasser umspült sie. Leise Geräusche von einer Atemmaske sind zu hören. Plötzlich kommt ein bedrohliches Rauschen auf. Es wird stärker und türmt sich zu einer riesigen Welle auf, die alles zu verschlingen droht. Der Instinkt befiehlt die Flucht vor den heranrollenden Wassermassen, doch der Verstand gebietet Einhalt.

Die Tiefe des Meeres ist eine Projektion und das beängstigende Rauschen der Welle kommt aus Lautsprechern.  Die Ausstellung "Ägyptens versunkene Schätze" entführt in eine geheimnisvolle versunkene Welt. Die multimediale Inszenierung der rund 500 Exponate ist so gelungen, dass ihre Aura und ihre Schönheit einen sensationellen Ausdruck finden.

Eines der spektakulärsten Ausstellungsstücke ist der "Naos der Dekaden", auf dem einer der ersten bekannten astrologischen Kalender dargestellt ist. Ein Fragment dieses einzigartigen Monuments wurde bereits 1934 in der Bucht von Abukir entdeckt und war seither im Pariser Louvre ausgestellt. Ein weiteres Bruchstück befand sich im Griechisch-Römischen Museum von Alexandria. Wie groß ist wohl die Chance, die fehlenden Teile in der Weite des Meeres zu finden? Nun, der Franzose Franck Goddio hat sie gefunden. Fast vollständig präsentiert sich der "Naos der Dekaden" als Symbol auch für viel Finderglück aber noch viel mehr für akribische wissenschaftliche Arbeit jetzt in der Bonner Ausstellung.

Ein Tauchgang in die Zeit der letzten Pharaonen


Die Städte Kanopus und Heraklion sowie das legendäre Königsviertel der Metropole Alexandria und Teile ihres riesigen Hafens wurden im 8. Jahrhundert offenbar von einem Tsunami überrollt. Von der Insel Kreta waren vermutlich Landmassen abgebrochen und hatten eine verheerende Welle bis an die Küste Ägyptens getrieben.

Von 700 vor bis 800 nach Christus spannt sich der zeitliche Bogen der archäologisch bedeutenden Funde, die fast wie auf einem Silbertablett dargeboten auf dem Grund des Mittelmeeres lagen. Zeugen aus der Zeit der letzten Pharaonen, der Herrschaft Alexanders des Großen und der Griechen am Nil, bis hin zu den Römern, wurden ab 1991 in einem gewaltigen Forschungs- und Bergungsunternehmen geortet, registriert und schließlich Stück für Stück aus ihrem nassen Grab gehoben.

Alles begann bereits 1984, als der Unterwasserarchäologe Franck Goddio an der Erforschung eines Schiffes Napoleons teilnahm, das 1798 in der Seeschlacht von Abukir versenkt wurde. Denn schon damals informierten Archäologen des "Supreme Council of Antiquities of Egypt" (SCA) Franck Goddio über vielversprechende Funde in der Bucht von Abukir.

Mit Hightech in die sagenumwobene Welt Kleopatras


Ein Jahr später gründete Goddio sein "Institut Europeen d´Archeologie Sous-Marine" (IEASM) in Paris. 1991 konnten Goddio, sein Team und ein mit modernster Vermessungstechnik vollgestopftes Forschungsschiff mit der Ergründung der Bucht beginnen. "Jahrelang haben wir den Meeresboden mit Hilfe von Sonargeräten, Sonden und Magnetometern vermessen und kartografiert. Angefasst haben wir in dieser Zeit gar nichts", so der Franzose über die Vorgehensweise seines Teams.

Was für eine Nerven zerfetzende Wartezeit, angesichts der Schätze, die unter dem Sand verborgen waren. Mit der Unterstützung der Hilti-Foundation konnten der studierte Statistiker Franck Goddio, ein Team aus spezialisierten Tauchern und renommierten Archäologen ein beispielloses Bergungsunternehmen durchführen, dessen Funde alle Hoffnungen um ein Vielfaches übertroffen haben. Die Ausstellung, die bereits im Martin-Gropius-Bau in Berlin und im Grand Palais in Paris zu sehen war, zog bisher mehr als 1,2 Millionen Besucher an. In Bonn werden "Ägyptens versunkene Schätze" bis zum 27. Januar 2008 zu sehen sein. Es bleibt also genug Zeit, sich in die Tiefen der Bucht von Abukir zu den atemberaubenden Zeugen einer Hochkultur entführen zu lassen.

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