Als die Bilder krabbeln lernten

Das Museum zur Vorgeschichte des Films feiert Geburtstag. Innerhalb der letzten drei Jahre kamen mehr als 60.000 Besucher nach Mülheim an der Ruhr in den Broicher Wasserturm, dem wohl die ungewöhnlichste Umnutzung widerfahren ist, die der Strukturwandel des Ruhrgebiets zu bieten hat.

In einen kreisrunden, vollkommen abgedunkelten Raum fällt ein Lichtstrahl, der das Äußere ins Innere zaubert. Auf einem Projektionstisch ist die Umgebung des Bauwerkes bis zum Horizont zu sehen – naturgetreu und in Farbe. Ein einfaches optisches Prinzip, das schon Aristoteles erkannte, bringt hoch oben im ehemaligen Kessel des Broicher Wasserturms die Besucher zum staunen. Denn die Kuppel, in der er sich bewegt, ist die größte Lochkamera der Welt.

Bereits 1992, im Rahmen der Mülheimer Landesgartenschau, konnte der kühne Umbau des Wasserturmkessels nach einer Idee von Prof. Werner Nekes realisiert werden. Eine sinnfällige, zur riesigen Camera Obscura passende Nutzung des Turms selbst, ließ allerdings bis 2006 auf sich warten. Mit dem Erwerb der sogenannten Sammlung "S" konnte dann endlich ein Museum einziehen, dessen Exponate an die "Ur-Kamera" anschließen. Über 30 Jahre sammelte der Kurzfilmer und Fotograf KH.W. Steckelings Apparaturen, mit denen die Menschen versuchten Abbilder der Wirklichkeit zu schaffen und sie in Bewegung zu setzen. 1139 Exponate, die er aus der ganzen Welt zusammengetragen hat, zeigen nun im ehemaligen Wasserturm die bewegte Geschichte der "bewegten Bilder" von 1750 bis 1930.

Neben der Sammlung "S" zeigt das "Museum zur Vorgeschichte des Films" regelmäßig Wechselausstellungen. Noch bis zum 27.09.2009 zeigt der Essener Fotograf Jörg Wilmshoever "Archaische Formen der Zivilisation".

Aus Anlass des Geburtstages gibt es am Sonntag, 30.8., einen Sondereintrittspreis von 1,50 EUR für Kinder und Erwachsene.
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.