Bon anniversaire, Centre Pompidou!

Das Centre Pompidou in Paris feiert heute am 31.01. seinen 30.Geburtstag

„Machine Urbane – Stadtmaschine“ nennen die Pariser ihre Centre Pompidou. Im Stadtteil Beaubourg im Herzen von Paris gelegen, ist das futuristische Gebäude eines der markantesten Wahrzeichen der Stadt. Heute feiert das Kulturzentrum seinen 30. Geburtstag.

Von außen sieht es wirklich aus wie eine riesige Maschine. Leitungen, Kabelschächte in leuchtenden Farben umwinden und umschlingen das Gebäude. Eine riesige gläserne Raupe kraucht die Hauptfassade empor.  Hier ist jedoch nichts Dekoration oder funktionsloses, ästhetisches Beiwerk einer in ihrem Inneren nützlichen Architektur. Im Gegenteil, denn der Nutzen der hinter der Fassade liegenden Räume steigt, gerade weil es von diesen Elementen umgeben ist.

Das multifunktionale Zentrum wird geliebt aber auch gehasst. Sein Bau wurde mit Argus-Augen beobachtet und so mancher hielt seine radikale Architektur für nicht würdig genug, der Kultur zu dienen. Als 1969 der damalige Premierminister von Frankreich Georges Pompidou beschloss, ein Kulturzentrum ins Leben zu rufen, wollte er mit einer modernen Architektur und ihrer interdiziplinären Nutzung einen Schritt in das 21.Jahrhundert machen. Sowohl Einheimischen als auch Fremden aller Gesellschaftschichten sollte ein freier Zugang zu Bildung und Kunst möglich sein.

Pompidou machte einen großen Schritt ins 21. Jahrhundert


Flexibilität und größt mögliche Bewegunggfreiheit innerhalb der Etagen waren die obersten Bedingungen für das Gebäude auf dem Plateau Beaubourg, denn ein solches Gebäude muss im Inneren variabel sein und so wenigen räumlichen Beschränkungen wie möglich unterliegen. Die Gewinner des 1970 dazu ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs Renzo Piano und Richard Rogers erdachten deshalb eine architektonische Konstruktion, die zu ihrer Zeit einzigartig war.

Das außenliegende Skelett der Tragkonstruktion dominiert das Gebäude. An die senkrechten Stützen sind bei Krupp gegossene Tragarme gehängt. Stahlträger von 70 Tonnen Gewicht tragen die als Plattformen gedachten Stockwerke von 150 mal 50 Metern ohne jegliche Trennwände. Fachwerkträger in dreizehn Meter Abstand überspannen jeweils 48 Meter stützenfrei und geben den Innenräumen extreme Flexibilität. Fahrstühle, Rolltreppen, Lüftungs- und Heizungsrohre sowie Wasser- und Gasleitungen sind nach außen verlegt, so daß sie im Inneren des Gebäudes keinen Raum einnehmen.

Das außenliegenden Versorgungssystems ist farblich gegliedert: Die Belüftungsrohre sind leuchtend blau, die Wasserversorgung ist grün markiert, sämtliche Stromleitungen gelb, die Fahrstühle, die Treppen und der Feuerschutz rot. Die gläserne Rolltreppe fährt dioganal über die Hauptfassade bis hinauf zum Dach.

Das Kulturzentrum hat bis zu 8,1 Millionen Besucher im Jahr


Als 1971 der Bau am Centre George Pompidou begann, war seine Fertigstellung für 1975 geplant. Doch erst zwei Jahre später, am 31.01.1977, konnte Präsident Valérie Giscard d´Estaing der Bevölkerung das Kulturzentrum feierlich übergeben.

Innerhalb des Röhrenwerkes befindet sich neben der großen öffentlichen Bibliothek (BPI), das Zentrum für Industrie-Design und das Forschungszentrum für zeitgenössische Musik IRCAM. Konzertsäale, Kinos und Konferenzräume decken fast alle Bedürfnisse der kulturinteressierten Öffentlichkeit.

In den obersten drei Stockwerken residiert das Musee National d´Art Modern, das eine der bedeutensten Kunstsammlungen der Welt sein Eigen nennt. Berühmte Werke seit 1905 von Miró, Giacometti, Picasso, Matisse, Léger, Chagall, Kandinsky und vielen weiteren wegweisenden Künstlern sind hier zu sehen.

Zur 30. Geburtstagsfeier wird das Museum ab morgen einen Teil seiner Sammlung neu präsentieren. Kunstwerke aus den Jahren 1905 bis 1960 werden in einer neuen Chronologie und Hängung zu sehen sein.

Wer keine Gelegenheit findet, nach Paris zu fahren, der kann auf den mehrsprachige Internetseiten einen virtuellen Rundgang durch Teile des Gebäudes machen. Beeindruckend ist die Datenbank des Musee National d´Art Modern, in der alle 58.000 Stücke der Sammlung dokumentierte sind. Darüberhinaus gibt es natürlich umfassende Informationen über alle aktuellen Aktivitäten.

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