Die „Liebe“ des Hagen Rether

Tief ducken ist angesagt, denn bei ihm kommt niemand gut weg. Hagen Rethers Rundumschläge verschonen weder Angela, noch Benedict, geschweige denn das Publikum.

Die Rheinhausenhalle in Duisburg war bis zum letzten Platz gefüllt, denn das Publikum erwartete den angesagtesten Bösewicht der Unterhaltungskunst.

Kabarett mit Soundtrack nennt der Essener Hagen Rether sein Programm "Liebe", mit dem er am Mittwoch seine Zuschauer in Atemnot brachte. Unter seinem sprichwörtlichen Stuhl lag so mancher, der vergeblich versuchte, sein Lachen zu unterdrücken, um bloß nicht den nächsten Gag zu verpassen.

Zur Zeit ist Hagen Rether einer der gefragtesten Kabarettisten Deutschlands. Bis zum Jahresende wird er monatlich bis zu zwanzig Vorstellungen geben. Eine Warnung sei jedoch vorausgeschickt. Sollte sich nun ein gläubiger Christ und Anhänger des heiligen Vaters mit dem Gedanken tragen, Rethers Vorstellung am 7.Mai im Theaterzelt der Ruhrfestspiele zu besuchen, so wird er einige Vorsichtsmaßnahmen treffen müssen. Denn zum unbeschwerten Genuss des Abends müsste er zumindest Kreislauftropfen und ein Sauerstoffzelt im Handgepäck mit sich führen. Für Papst Benedikt XVI und seine Entourage kam es nämlich ganz dicke. Kein gutes Haar ließ Hagen Rether an den gesalbten Häuptern der römisch-katholischen Kirche.

Doch das Papa-Mobil als letzter kugelsicherer Zufluchtsort für den vom schlechten Gewissen heimgesuchten Pontifex, war nur eines der bitter-bösen Bilder, die Hagen Rether mit Gift und Galle malte. George W. Bush würde sein berühmter Brezel endgültig im Halse stecken bleiben, verstünde er nur ein wenig Deutsch. "Irgendwas wird immer Kanzler." So holte Hagen Rether dann auch gekonnt zum Rundumschlag gegen die politische Zunft aus, die sowohl Deutschland als auch Europa und die gesamte Welt unsicher macht. Unüberhörbar ist sein Zungenschlag, der ihn als Ruhrgebietskind outet, obwohl er in Freiburg aufgewachsen ist. Erst zu seinem Studium an der Folkwang Hochschule kam er nach Essen.

Rethers Pointen ernteten grölende Lacher, die schließlich doch in vielen Hälsen stecken blieben. Denn kaum durchgeatmet, kam die Einsicht, dass der Mann da vorne das ausspricht, was die Meisten oft verschlucken. 

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