Überraschungskunst oder das Wunder aus der Tüte.

Die Kunst kann sehr überraschend sein. Dazu muss sie nicht als Geschenk verpackt sein. Ist sie allerdings verpackt, so ähnelt die Begegnung mit ihr stark einem Blind Date.

In rhythmischen Abständen, alle Jahre wieder, treibt uns eine bohrende Frage um. Mit bis zum Bett ab gekauten Fingernägeln und durchgeschwitztem Hemd kauern wir in einer dunklen Ecke und zermartern uns das Hirn. Was soll es in diesem Jahr werden? Welches Geschenk ringt unseren Liebsten mehr als ein unterdrücktes Gähnen ab? Die GAM macht zu diesem Anlass seit sieben Jahren nicht nur einen Sack auf. Aktuell bietet die Essener Galerie mehr als 400 pralle Kunst-Wundertüten zum Einheitspreis von sparsamen 35,- Euro an.

Was 'drauf steht, ist auch 'drin, in einer Packung Reis zum Beispiel. Der Reis sieht immer gleich aus, kommt auf den Teller, wird verspeist und dann vergessen. Er ist nicht mehr als eine austauschbare Alltäglichkeit. 

Zur Kunst haben wir eine vollkommen andere Haltung. Sie ist keine Ware, die wir im Vorbeigehen in einen Einkaufswagen werfen. Ein Kunstkauf ist meist wohl überlegt, denn im besten Falle begleitet uns das erworbene Stück über sehr lange Zeit. Es teilt mit uns unsere ganz privaten Räume und wird zum festen Bestandteil unseres Lebens. Es bleibt.

(Obwohl es auch schon den Fall gegeben hat, dass ein Ehepaar, der alten Einrichtung überdrüssig, seine Dependance in Frankreich ausräumte und nebst Möbeln auch ihre über längere Zeit gesammelten Kunstwerke dem Sperrmüll auslieferte. In einer Großstadt hätten sich schnell rettenden Hände gefunden, die die Malereien vor der Presse bewahrt hätten. Auf dem flachen Land, wo abends vielleicht mal ein Bauer nach dem Rechten sieht, war das grausame Ende der Kunstwerke so sicher wie Gerhard Richters Position an der Spitze des Kunstkompass.)

Da die Kunst ihren Liebhaber in der Regel mehr als eine Packung Reis kostet, ist ihm die Katze im Sack ein eher ungeliebtes Haustier. Bei nur 35,- Euro sieht die Sache allerdings anders aus, denn das Risiko geht gegen Null. Insbesondere weil Torsten Obrist und Juri Czyborra von der Essener GAM die Käufer nicht ganz im Dunkeln tappen lassen. Über 400 "Wundertüten 07/07" bieten sie in diesem Jahr an und rennen mit ihnen sicherlich viele Türen ein, die im vorweihnachtlichen Stress weit offen stehen. 

Unter dem Thema "Love Stories" haben 24 von der Galerie vertretene Künstler je 20 Papiertüten mit ihren Arbeiten "en miniature" bestückt, sie signiert und fest zugeklebt. Bereits seit dem 19. November können die künstlerischen Überraschungspakete online vorbestellt werden. Ab dem 1.Dezember sind sie auch in der Galerie käuflich zu erwerben, wo die beteiligten Künstler eine Orientierungshilfe geben. Denn bis zum 19. Januar 2008 stellen sie dort die großen malerischen, fotografischen oder auch skulpturalen Pendants zu ihrer Tütenkunst aus.

 

 

 

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