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Standpunkte, Stimmen und Kommentare
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Warum „jeder Meister muss aufsteigen“ historisch zu kurz greift und das Kompassmodell die bessere Antwort sein könnte
Es gibt Forderungen, die sofort gerecht klingen. „Jeder Meister muss aufsteigen“ gehört dazu. Schließlich wird im Fußball seit Jahrzehnten erzählt, dass Leistung sich auszahlen müsse. Wer Erster wird, soll hoch. Punkt. Doch genau an diesem Punkt beginnt das Problem. Denn der deutsche Fußball hat nie so funktioniert. Denn wer heute so tut, als sei der direkte Aufstieg aller Regionalliga-Meister eine historische Selbstverständlichkeit, romantisiert eine Vergangenheit, die es nie gegeben hat.
Im Gegenteil, lange Zeit war der Weg nach oben im deutschen Fußball ein mehrstufiger Kampf – mit Aufstiegsrunden, Entscheidungsspielen und Qualifikationsgruppen. Und genau darin lag oft ein großer Teil der Faszination. Das erste Ziel vieler ambitionierter Vereine lautete jahrzehntelang eben nicht „direkter Aufstieg“, sondern: „Erreichen der Aufstiegsrunde“. Wer dort spielte, hatte etwas erreicht. Und wer dann scheiterte, war trotzdem nicht automatisch Opfer eines ungerechten Systems.
Historisch betrachtet ist das Unsinn!
Denn als die Bundesliga noch jung war, mussten sich selbst Spitzenmannschaften ihren Platz erst verdienen. Auch Meister ihrer Staffeln waren nicht automatisch erstklassig. Ein gutes Beispiel dafür ist Holstein Kiel. Die Störche eröffneten die Saison 1964/65 der damaligen Regionalliga Nord mit einem elf Siegen (22:0 Punkte), schossen im Saisonverlauf stolze 94 Tore und gewannen die Meisterschaft ihrer Staffel überlegen.
In der Aufstiegsrunde zur Fußball-Bundesliga traf Holstein Kiel auf Borussia Mönchengladbach, den SSV Reutlingen 05 und Wormatia Worms – und scheiterte. Das war damals normal und lag daran, dass der deutsche Fußball – wie heute noch – immer föderal strukturiert war. Eine Folge waren Aufstiegsrunden. Und genau deshalb galt es als sportlicher Erfolg, diese überhaupt zu erreichen. Der heutige Reflex, jede zusätzliche Hürde sofort als „unfair“ zu brandmarken, blendet diese Geschichte komplett aus.
Das eigentliche Problem ist nicht die Aufstiegsrunde
Natürlich gibt es trotzdem ein Problem. Die aktuelle Regionalliga-Struktur wirkt zunehmend unlogisch.
Kein Wunder, dass sich es Verbände, Vereine und Fans gibt, die sich benachteiligt fühlen. Denn die heutige Gestaltung der Regionalligen führ automatisch zu Diskussionen darüber, wer „dran“ ist. Die aktuelle Lösung wirkt wie ein Provisorium, das nie wirklich fertig geworden ist. Doch die Antwort darauf muss nicht zwangsläufig heißen: „Alle Meister steigen direkt auf.“ Denn damit löst man nur ein Symptom – nicht die strukturellen Probleme des Systems.
Das Regionenmodell: simpel – aber starr
Ein häufiger Vorschlag lautet deshalb: feste Zuordnung der Landesverbände zu vier Regionalligen.
Tatsächlich schafft dieses Modell vor allem Klarheit. Jeder Verband weiß dauerhaft, wohin er gehört. Die Diskussion um Rotationsmodelle wäre beendet. Doch genau darin steckt auch die Schwäche. Denn feste Regionen ignorieren, wie unterschiedlich sich Fußballlandschaften entwickeln. Manche Regionalligen würden dauerhaft deutlich stärker werden als andere. Wege würden künstlich verlängert. Vereine würden in Konstrukte gezwungen, die geografisch zwar funktionieren, sportlich aber oft merkwürdig wirken.
Das Kompassmodell denkt flexibler
Der Fußball ist eben keine Excel-Tabelle. Genau hier setzt das sogenannte Kompassmodell an.
Die Idee dahinter:
Keine starren Viererblöcke, sondern eine dynamische regionale Zuordnung, die geografische Nähe, Verbandsstrukturen und sportliche Balance besser miteinander verbindet.
Der entscheidende Unterschied:
Das Kompassmodell versucht nicht nur, Aufsteiger zu verteilen. Es versucht, die gesamte Regionalliga-Struktur sinnvoller zu organisieren. Das macht die Sache komplizierter, aber möglicherweise auch realistischer. Denn Fußball lebt von regionaler Identität – auch über Verbandsgrenzen hinweg. Aber er lebt auch von Auswärtsfahrten, die machbar bleiben. Und von gewachsenen Duellen sowie von Ligen, die sich organisch anfühlen.
Eine mathematisch perfekte Lösung gibt es wahrscheinlich nicht. Aber vielleicht ist eine flexible Lösung näher an der Realität des deutschen Fußballs als ein starres Regionenraster.
Vielleicht ist die Diskussion falsch gestartet
Die eigentliche Frage lautet nämlich nicht: „Wie bekommen wir fünf Meister in vier Plätze?“ Die eigentliche Frage lautet: „Wie organisieren wir den Übergang zwischen Profi- und Amateurfußball sinnvoll?“ Und genau dort wird die Debatte interessant. Denn wenn man ehrlich ist, war der deutsche Fußball nie vollständig gerecht. Nicht in den 1960ern. Nicht in den 1980ern. Und auch heute nicht. Aber er war oft dann am stärksten, wenn das Ganze im Vordergrund steht und nicht der eigene Posten.
Unser Rechner: Wie würden das Kompassmodell aussehen?
Kritiker behaupten, dass das Kompassmodell Derbys ignorieren würde. Das ist in Einzelfall natürlich möglich, aber – und das ist ein ganz großer Vorteil des Kompassmodells – nicht auf alle Ewigkeit. Denn die Einteilung der Klassen optimiert die Wegstrecken. Uns so ist es möglich, dass der FC-Astoria Walldorf mal ein Jahr nicht gegen den SV Sandhausen treffen wurde. Aber das wäre bei diesen Modell keine Dauerlösung.
Mit unserem Rechner können Sie vergleichen,
Regionalliga-Rechner zum Regionen- und Kompassmodell