Veröffentlicht am 03.09.2007, 14:29 von Karla Schwede
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Das düstere Lied der verbotenen Liebe

Nach der weltmuskalischen Eröffnung der RuhrTriennale am Samstag in der Jahrhunderthalle gab es gestern in Duisburg die erste Uraufführung.

Die beste Traviata aller Zeiten hätte Willy Decker inszeniert, so Jürgen Flimm anlässlich des Pressegespräches im Foyer der Gebläsehalle am vergangenen Mittwoch. Der Noch-Intendant der RuhrTriennale wies auf seinen Nachbarn, der gestern abend in Duisburg die Premiere seiner Oper "Le vin herbé" (Der Zaubertrank) feierte. Die Uraufführung war der spektakuläre Auftakt zu dem sechswöchigen Festival, das schon seit 2002 in sich trägt, was 2010 sein will.

Wie von einem monumentalen Zirkel gezeichnet, liegt die Bühne inmitten der großen Gebläsehalle, die, mit den Augen gemessen, höher als breit erscheint. Klar und geometrisch ist das Rund, von zwei sich gegenüberliegenden Tribünen perfekt einsehbar. Stufen führen in sein Zentrum, wo das Kammer-Orchester und sein Dirigent Freidemann Layer von der Handlung umschlossen sind. Sieben Streicher und ein Flügel nehmen an dem dramatischen Stück unmittelbar teil.

Die Konzentration auf das Wesentliche 

Schwarz, Grau, Weiß - die geometrische Reduktion des Bühnenbildes setzt sich in der Farbig- bzw. Nichtfarbigkeit der Szene fort. Es fröstelt. Wird der warme Hauch der Sänger in der Kälte sichtbar? Nein, denn die überraschend lyrische und enorm spannungsgeladenen Musik gibt ihnen die nötige Wärme. Nichts lenkt ab. Alle Konzentration liegt allein auf den Akteuren und der Musik.

Die hoch oben an der Decke angebrachten Displays, auf denen das Publikum die in Französisch gesungenen Texte auf Deutsch nachlesen kann, fallen kaum auf, sind vielleicht sogar unnötig. Denn wer sich auf die "bescheidene, sehr zurückhaltenden Musik" (Zitat: Willy Decker) einlassen will, wird sie wohl nicht brauchen. Eine Beurteilung der Stimmen des Chores, der "Iseut" Sinead Mulhern, des "Tristan" Finnur Bjarnason und des wunderbar samtenen Bariton des König Marke wird hier besser dem Opernnetz überlassen, das in dieser Hinsicht deutlich kompetenter ist. 

Ein Schwert und eine Krone, stellen zwei der nur vier übergroßen Requisiten. Sie sind vieldeutige Symbole und zugleich wichtige Utensilien, die den Fortgang der Handlung, wie ein schwarz-weißer (ein roter Faden wäre hier vollkommen deplatziert) Faden durchziehen.

Das Mittelalter und seine Legenden

Die Legende von Tristan und Isolde entstammt ebenso wie die von Artus und den Gralssuchern dem Mittelalter, das - wie bereits erwähnt - das zentrale Thema der RuhrTriennale 2007 ist. Der Schweizer Frank Martin komponierte zwischen 1938 und 1941 die Musik zu der tragischen Liebe, die durch eine Versehen erblühte und schließlich das Paar ins Verderben stürzt.

Richard Wagners berühmte Oper von 1859 kümmerte ihn dabei wenig, denn auf der Grundlage des Buches "Le Roman de Tristan e Iseut" von Joseph Bédier (1864-1938) schuf Martin "Le vin herbé", den Zaubertrank, als vollkommen neues, unabhängiges Musikwerk. Das weltliche Oratorium für zwölf Singstimmen geriet nach seiner Uraufführung 1942 fast in Vergessenheit. Zu Unrecht, so Willy Decker, der von der auf Schönbergs Zwölftontechnik beruhenden Musik ebenso begeistert sprach, wie von der Architektur, in der sie gestern wieder zum Leben erwachte.

Die Spielorte inspirieren 

Ein außergewöhnlicher Spielort verlangt die Abwendung von den konventionellen Vorgaben, die die meisten Theater der Welt diktieren - hier die Bühne, dort das Publikum. Die Industriedenkmäler hingegen sind wie ein leerer Skizzenblock, der zu neuen Gedanken herausfordert. So beflügelte die experimentelle Arbeitsatmosphäre der Gebläsehalle Ensemble und Regisseur gleichermaßen: "Diese Halle befreit von Zwängen."

Von der Halle ebenso begeistert zeigte sich die Regisseurin Stephanie Mohr, die am 2. Oktober ihre noch im letzten Jahr Skandal umwitterte und deshalb geknickte Uraufführung "COURASCHE oder GOTT LASS NACH" nun endlich auf die Bühne bringen kann.

Fotos

  • Tristan und Iseut  » Click to zoom ->

    Tristan und Iseut

  • Tristan ist verzweifelt  » Click to zoom ->

    Tristan ist verzweifelt

  • Iseut inmitten des Orchesters  » Click to zoom ->

    Iseut inmitten des Orchesters

  • Der Chor im Inneren der Bühne  » Click to zoom ->

    Der Chor im Inneren der Bühne

  • Iseut und das Schwert  » Click to zoom ->

    Iseut und das Schwert

  • Die kreisrunde Bühne ist im Zentrum der Halle installiert.  » Click to zoom ->

    Die kreisrunde Bühne ist im Zentrum der Halle installiert.

ruhrmentar lebt vom Mitmachen!

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Zum Thema

Die RuhrTriennale findet vom 1.September bis zum 14.Oktober statt.

"LE VIN HERBÉ" 

Regie: WILLY DECKER, Musikalische Leitung: FRIEDEMANN LAYER, Bühne, Kostüme: WOLFGANG GUSSMANN,  Licht: Andreas Grüter

Mit:
Mark Adler, Antje Bitterlich, Finnur Bjarnason, Susanne Blattert, Boris Grappe, Karolina Gumos, Ursula Hesse von den Steinen, Sinéad Mulhern, Harry Peeters, Michael Smallwood, Frank van Hove, Astrid Weber, JUNGE DEUTSCHE PHILHARMONIE

Die nächsten Vorstellungen sind am 4., 6., 8., 10. September um 20:00 Uhr in der Gebläsehalle/ Landschaftspark Duisburg-Nord. Einführungen zur Oper finden am 6. und 8. September jeweils
45 Minuten vor Spielbeginn statt. 

Verfügbarkeit und Preise der Eintrittskarten entnehmen Sie bitte den Seiten der RuhrTriennale

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