Der VIVAWEST-Marathon – Eine Chronik des Leidens

Ihr quält euch. Das kann man in euren Gesichtern lesen. Ihr schaut auf eure Uhren bzw. Pulsmesser. Eure Beine sind bleischwer. Wie weit noch? Wie lange noch? Ich weiß, ihr habt euch ein Ziel gesteckt. Aber wenn der Weg dorthin so anstregend ist, was soll’s? Setzt euch doch einfach hin und esst ein Eis. Keiner zwingt euch.

Und wozu auch eine Legende leben? Euer Vorbild ist nach seinem Lauf von Marathon nach Athen tot umgekippt. Meint ihr nicht, dass das ein schlechtes Omen ist? Außerdem ist der arme Bote nur zu Fuß gegangen, weil es noch keine Autos gab. Hätte er ein Auto gehabt, wäre er ganz sicher gefahren.

Ich habe noch nie begriffen, wie man sich freiwillig derart quälen kann. 42,195 Kilometer mehr oder weniger zügig laufen, ist mit Sicherheit eine sportliche Herausforderung, doch ohne eine masochistische Ader wohl nicht in Angriff zu nehmen. Und modern ist es auch nicht. Ja, ich weiß. Die Fitness! Aber wenn ich sehe, wie unser Nachbar Tag für Tag seine Runden dreht, vollkommen humorfrei und schwer gebeugt unter seiner freiwilligen Selbstkasteiung, dann möchte ich mir gleich eine Zigarrette anzünden, einfach nur um nicht so zu sein wie dieser Typ.

Damit will ich natürlich nicht behaupten, dass ihr alle Spaßbremsen seid. Einige von euch strahlten durchaus ein gewisses Glücksgefühl aus. Ob ihr tatsächlich zufrieden ward, oder ob ihr euch einfach nur von euren körpereigenen Drogen nach vorne habt peitschen lassen, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Die Foto sind hauptsächlich von den Teilnehmern des VIVAWEST-Marathons, die nur die halbe Strecke gelaufen sind. Ich wäre nach einem Zehntel schon fix und fertig. Dabei mache ich, wenn auch im gemütlichen Bummeltempo, täglich viele, viele Meter. Also Hut ab vor der Leistung, doch verzeiht mir, dass ich kein Bedürfnis habe, mich einzureihen. Ich bleibe lieber an einer Stelle hocken und dokumentiere eure Leiden.

Veröffentlicht von Karla Schwede

Autos sind mehr als Mobilität: Sie sind Design und Lebensfreude – auch wenn die eigenen Untersätze zunächst meist nach ihrem praktischen Nutzen ausgewählt wurden. Doch mit einem Mini fand dann irgendwann ein echter Designklassiker den Weg in die heimische Garage. Von da an war der Weg der vorgezeichnet. Der erste Autoartikel der Journalistin entstand in eigener Sache. Es galt mit der blubbernden Rennmaus, das eigene Fahrzeug auf SPIEGEL ONLINE vorzustellen. Kurze Zeit später entstand das erste Blog und 2007 folgte 1300ccm.de. Seit 2009 betreibt Karla zudem mit doctor-speed ein erfolgreiches Windhund-Blog.

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