Freiwillige vor! Know-How zu verschenken?

Oh, ja gerne. An wen denn, an wen denn? So stellt es sich offensichtlich die Ruhr 2010 GmbH neuerdings vor. Da die ruhrmentar-Redaktion auf ein Abonnement der WAZ verzichtet, entgehen ihr natürlich wesentliche Informationen, die durch Medien wie „spiegel online“ oder „Die Bäckerblume“ kaum aufzuarbeiten sind. Deshalb erfuhr sie erst heute morgen von dem Projekt, das Rolf Jansen von ruhrwärts in seinem wie immer sehr interessanten Newsletter beschreibt.

48 Millionen sind kein Pappenstiel. Für ein kulturelles Mega-Event dürfte diese Summe vielleicht gerade reichen. Doch Herr Pleitgen ist zuversichtlich, denn zusätzliche Gelder sind in der Mache. Nun staunen wir Bauklötze über das Ansinnen, Enthusiasten zu gewinnen. Enthusiasten mit geografischem und kulturellem Know-How, die Gästen aus aller Welt die Kulturhaupstadt 2010 nahebringen sollen. Und das freiwillig! Landläufig formuliert, ohne Bezahlung, für Nüsse, für Umme, umsonst.


Rolf Jansen in seinem ruhrwärts-newsletter :

"(…) Was man allerdings hört, ärgert mich schon wieder. So konnte man in der vergangenen Woche in der WAZ lesen, dass man (also die Ruhr 2010 GmbH) an einem Volunteer-Programm für Fremdenführer arbeite. HALLO? Wir hatten das schon bei der Fußball-WM: zuerst werden Leute gesucht, die für kleines Geld bei der WM helfen, und danach wurden "Volunteers", zu gut deutsch also "Freiwillige" genommen, weil die noch billiger waren. Was für den DFB und den alten Kaiser Franz gut ist, ist für das Ruhrgebiet noch lange nicht gut. Denn: eigentlich soll doch die "Metropole Ruhr" per "Wandel durch Kultur" wirtschaftlich auf die Beine kommen. Das geht aber nur, wenn man den Menschen auch die Gelegenheit gibt, zu wirtschaften.(…)"

Bei der WM 2006 hat das funktioniert. Keine Frage. Alle wollten dabei sein, mitfühlen, mitfiebern und auch mitfeiern. Doch Fußball ist etwas volksnaher als die Kultur an sich, insbesondere volksnaher als die Kultur, die von der Kulturhauptstadt bisher betrieben und unterstützt wird. Was nicht bedeutet, dass für die Kultur im Ruhrgebiet nicht ebenso viel Begeisterung in den Menschen schlummert, wie für den Fußball. Doch die A 40 zu sperren, reicht nicht zur Masseneuphorie. Im Gegenteil, es gibt in der sogenannten "Kulturszene" mehr als eine oder zwei Stimmen, die diese Aktion für schlichte Geldvernichtung halten. 

Nun kommt eine bohrende Frage auf. Warum sollten sich kompetente Menschen, die das Ruhrgebiet und seine kulturellen Schätze kennen, ohne Gegenleistung einsetzen wollten. Sie brächten ihr Know-How in ein Großprojekt ein, das von ihrem Wissen profitieren wird. Herr Pleitgen macht seinen Job doch auch nicht nur, weil er ein guter Mensch ist und das Ruhrgebiet einfach töfte findet. 

Bestimmt werden freiwillige Fremdenführer zu finden sein. Mehrsprachig sollten sie natürlich sein. Bevorzugt Chinesisch, Japanisch, Russisch, Italienisch, Arabisch sollten sie sprechen. Sie sollten weltgewandt, höflich und gutaussehend sein. Nicht zu alt und nicht zu jung. Studenten gibt es doch gerne umsonst. Bei denen sieht es auch nicht so nach Ausbeutung aus, denn die brauchen so einen Job für ihren Lebenslauf und werden ihre Sache bestimmt gut machen. Sie werden die Texte auswendig lernen und bibbernd 'runterrasseln in der Hoffnung, dass keine Fragen kommen, die aus der Spur laufen.

In jeder Branche werden Experten gut bezahlt. In der Branche "Kultur" scheint diese profane Nebensächlichkeit nur bedingt angekommen zu sein. HALLO (Zitat: Rolf Jansen), auch dort kostet Kompetenz Geld.

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