Hau rein, du Rampensau!

Abgewatscht und ausverkauft. Seit fast zwanzig Jahren behaut das selbsternannte „Arschloch der Nation“ den groben Klotz der deutschen Comedy. Am 25.August flogen in der Gelsenkirchener Kaue die Späne.

Sein Programm „Retter der Nation“ könnte man ohne Weiteres auf den Knien verfolgen, nicht aus Ehrfurcht allerdings, sondern aus Bequemlichkeit. Denn sitzend oder stehend hätte die ständige Bückerei nach den Pointen vermutlich schwere Rückenschäden zur Folge. Ingo Appelts Kalauer visieren nämlich nur in seltenen Fällen Ziele oberhalb der Gürtellienie an.

Das waren mal Männerwitze! Solche, die sich echte Kerle beim Bier oder auf dem Fußballplatz markig zugrölen. Frauen kriegen die nur selten zu hören, denn die lästernden Banden verstummen in der Regel ganz plötzlich, wenn sich ein weibliches Wesen ihrem Kreis nähert. Die potenzielle Beute soll schließlich nicht leichtfertig vergrätzt werden. Und so war es auch hauptsächlich der männliche Teil des Publikums, der sich im Dunst der gröbsten Zoten und plattesten Gags die Augen rieb.

Im Schritt nichts Neues

Doch es gab nicht viel Neues für die Liebhaber des Genital-Humors. Immer wieder traf es unsere Bundes-Angie, Stoiber und seinen berühmten Scharping. Auf denen läßt es sich natürlich nur allzu leicht herumhacken, ebenso wie auf dem teils ahnungslosen Publikum. Obwohl –  die Frau, die es am Samstag mit dem Vorschlaghammer traf, muss die Kaue mit einer gehörigen Portion Naivität und/oder latentem Masochismus betreten haben. Denn es ist in der Regel keine gute Idee, die Arme hochzureißen und "Hier!" zu schreien, geschweige denn sich auf ein Gespräch einzulassen, wenn Ingo Appelt von der sicheren Bühne herunter sein Publikum anmacht.

Als Appelt und sein "alter Ego" mit ihr fertig waren, stand Sonja verbal entblößt vor etwa 400 Gästen in den Scherben ihres Fan-Daseins. Wer outet sich denn bitte in der Heimatstadt des FC Schalke 04 als Anhänger des FC Bayern? Welche Frau bekennt öffentlich ihre Zuneigung zu Oliver Kahn? Das kann nur aus grobem Leichtsinn, aus bodenloser Dummheit oder dem oben erwähnten Masochismus geschehen sein? Egal, Ingo konnte sich mal wieder als "Arschloch der Nation" feiern. 

Stehaufmännchen im rosa Hemd

Als solches ist er bekanntermaßen schon mehrfach auf die Schnauze gefallen, weil er letztere für den Geschmack von Pro7 ein Stück zu weit aufgerissen hatte. Kinderpuppen durchs Gehölz zu treten ist nicht die feinste Art, doch muss darum so ein Bohei gemacht werden? Das sogenannte Zwergenwerfen wird trotz Verbot heute noch unter strengen Wettbewerbsbedingungen ausgetragen. Da fliegen keine Puppen, sondern echte Menschen. Und, wen kümmerts?

Sinkende Einschaltquoten machten Ingo Appelt dann auch bei RTL den Gar aus. Mit seiner aktuellen Show "u.A.w.g. – Um Antwort wird gebeten" auf Comedy Central hat sich das garstige Stehaufmännchen jedoch auf die Mattscheibe zurückgefrotzelt. "Es handelt sich hierbei nicht um eine gescriptete Panel-Show, sondern
um einen frei improvisierten Comedy-Talk der erfrischend anderen Art." Was auch immer damit gemeint ist. 

Ausziehen! Ausziehen!

Mehr als 2 Stunden gerettet zu werden, kann schon an die Nerven gehen. Insbesondere wenn die meisten Gags uralt und die Stühle hart sind. Der schnoddernde Paolo Conte – tausend Mal gesehen. Die Männer mordenden Hebammen – ganz lustig. Grönemeyer, Lindenberg, der Ossi, der Sitzpinkler – alt bekannt sogar für den Nicht-Fan. Der vor sich hin labernde Pannesamt-Penis konnte auch keine Wurst mehr vom Teller ziehen.

Einige Tiefschläge floppten, doch die meisten ernteten schon vor der Pointe grölendes Gelächter, von denen, die zuvor offenbar mitgeschrieben und auswendig gelernt hatten. Ingo Appelts "Retter der Nation" in der Kaue war seit Wochen ausverkauft. Warum, das wissen nur die Jünger der untersten Schublade.

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