Ornette Coleman trifft Joachim Kühn

Die Free-Jazz-Legende Ornette Coleman und seine Band „Prime Time“ sind in Europa.

Erst am vergangenen Sonntag erhielt Ornette Coleman den Grammy für sein Lebenswerk. Sein einziges Konzert in Europa gab er am Mittwoch mit seiner Band „Prime Time“ und dem Pianisten Joachim Kühn in der Philharmonie Essen.

In dieser Zusammensetzung wird ein solches Konzert wohl nie wieder zu erleben sein. Denn Colemans Verhältnis zu Jazz-Pianisten ist gelinde gesagt gespalten. Nur wenige handverlesene Musiker lässt er in seinen Dunstkreis. Für Joachim Kühn, der sich schon früh von der "Harmelodic Theorie" Colemans inspirieren lies, erfüllte sich mit diesem Rendezvous ein lang gehegter Traum.

"So, wie ich gespielt habe, konnte ich keinen Job finden. Deswegen bin ich ein Band-Leader geworden." Coleman erzählt gerne die Geschichte von seinem Rauswurf aus einer Tanz-Combo, in der er sich in den 40er-Jahren als Teenager Geld verdiente. Denn seine Art zu spielen, seine Idee von Jazz war bereits zu dieser Zeit revolutionär und stieß lange auf Unverständnis. Doch seit den 40er-Jahren hat sich zum Glück einiges geändert und so wurde am Mittwochabend der heute hochangesehene Ausnahmemusiker nicht mit einem Rauswurf, sondern mit stehenden Ovationen bedacht.

Sein Alter konnte Ornette Coleman nicht verbergen. Der 76-Jährige wirkte schmal und gebrechlich, als er auf die Bühne kam. Dennoch spielte er kraftvoll und mit einer fast arroganten Leichtigkeit im fliegenden Wechsel Saxophon und Trompete. In seiner Begleitung hatte Coleman drei Musiker von Weltruf, die seit nunmehr dreißig Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen. Der virtuose Tony Fallanga spielte seinen akustischen Bass immer mit einem Auge auf seinen "elektrischen" Kollegen Al MacDowel. Ornette Colemans Sohn Denardo saß am Schlagzeug.

Sehr humorvoll und oft überraschend sanft waren die Stücke, die sie dann auch gemeinsam mit Joachim Kühn performten. Neben dem Gefühl, dass es so viel mehr zu berichten gäbe, bleibt die Schwingung von einem musikalischen Erlebnis, das in jeder Hinsicht horizonterweiternd war.

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