Tipp: Fümms bö wötää zää Uu, pögiff, kwii Ee.

Zwischen 1922 und 1932 feilte Kurt Schwitters unentwegt an seiner Sprechoper „Sonate in Urlauten“. HK Grubers Vortrag der dadistischen Dichtung verspricht ein großer Spaß zu werden.

Ein Dadaist, ein Bad Boy, ein Avantgardist, ein Egozentriker, ein Entdecker und ein begnadeter Botschafter treffen am 2. Januar 2008 ein Wiener Unikum. Ein explosives Rendez-vous des Amis, so scheint es, doch sie haben sich alle gegenseitig mehr oder weniger beflügelt und inspiriert. Mit HK Gruber und einem fabelhaften Querschnitt durch die amerikanische Musik der 20er bis 40er Jahre lädt die Philhamonie Essen zum Neujahrskonzert der revolutionären Art ein.

Weniger mit den USA als mit England hatte Kurt Schwitters zu tun, denn dort hin musste der "entartete" Künstler 1940 flüchten als die Nazis sein Refugium Norwegen überfielen. Auszüge aus seiner "Ursonate" (Sonate in Urlauten) werden ein Konzert einleiten, das sich aus Stücken von fünf Komponisten zusammensetzt, die zu ihrer Zeit revolutionär waren.

Die "Rhapsodie in Blue" des prüden Egozentrikers George Gershwin bedarf hier wohl keiner weiteren Erklärung, denn sie spannte schon 1924 eine Brücke zwischen der Klassischen Musik und dem Jazz. Von "höchst originell" bis "banal und schwach" gingen die Kritiken nach ihrer Uraufführung. Der große Leonard Bernstein hingegen empfand die Rhapsodie als eine melodische Inspiration und spielte 60 Jahre später mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra eine denkwürdige Aufnahme ein.

Aus der Feder eben jenes legendären Botschafters der Klassischen Musik stammt "Prelude, Fugue & Riffs" für Soloklarinette und Jazz-Ensemble (1949). Unter der Leitung von HK Gruber wird das Ensemble Modern dieses Mini-Concerto Bernsteins spielen, das sich auf Strawinskys "Ebony Concerto" (1945) bezieht. 

In eine Saalschlacht wird die Darbietung zweier Stücke George Antheils hoffentlich nicht ausarten. In den 20ern war das durchaus üblich, so dass der "Bad Boy of Musik" angeblich stets eine Pistole bei sich trug. In Paris sorgte der Amerikaner 1929 mit seinem "Ballet mechanique" für Aufruhr, das er seit 1924 in enger Zusammenarbeit mit dem französischen Maler Fernand Léger entwickelte. Der Kreis der europäischen und amerikanischen Künstler-Avantgarde schließt sich mit Kurt Weill, der sowohl in Europa als auch später in den USA Jazz-Standards setzte.

Das Neujahrskonzert mit HK Gruber in der Philharmonie Essen:

Kurt Schwitters        aus der "Ursonate" (1922-1932)

George Antheil        "A Jazz Symphony" (Ensemble-Fassung von 1955)

George Antheil        "Jazz Sonata" für Kammerorchester (1923)

Kurt Weill                 "Tryout" – Eine Suite mit Ausschnitten aus "Zaubernacht" und "Lady in the Dark"

George Gershwin     "Rhapsody in Blue" (Jazzband-Fassung) (1924)

Igor Strawinsky        "Ebony Concerto" für Soloklarinette und Jazz-Ensemble (1945)

Leonard Bernstein    "Prelude, Fugue & Riffs" für Soloklarinette und Jazz-Ensemble (1949)


Ute Gfrerer, Sopran


Ueli Wiget, Klavier


Nina Janßen, Klarinette

HK Gruber, Chansonnier und Dirigent

Ensemble Modern

 

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