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Wo kommen eigentlich Deine Leser her?

Oder die Sache dessen, was erwartest Du, wenn Du einen Link siehst. Warum mir das Link-Verhalten der großen Medienhäuser auf den Sack geht.

Bloggen macht Spaß. Die Blogs, für die ich schreibe, finden seit Jahren konstant ihre Leser. Interessant ist, dass die Zahl der täglichen Besucher dabei in allen Blogs seit gut zwei Jahren stabil ist. Natürlich gibt es Ausreißer. Aber bei einer Betrachtung des Durchschnitts verläuft die Besucherentwicklung inzwischen seit einiger Zeit ziemlich wagerecht zur Zeitachse.

Interessant ist allenfalls, wie sich die Herkunft der Leser zwischen den Blogs unterscheidet. 1300ccm.de, wo es um Autos geht, lebt hauptsächlich davon, dass ihr Suchmaschinen Leser zuführen. Zurzeit stammen rund 56 Prozent der Zugriffe aus sogenannten „organische“ Suchen. Bei anderen Blogs, deren Zugriffszahlen ich kenne, liegt dieser Wert „nur“ bei 17 Prozent.

Im Fall von 1300ccm.de folgen knapp 28 Prozent der Leser einem Link, den sie auf einer anderen Seite gefunden haben. Bei meinen Vergleichsblogs liegt dieser Wert mit statten 59 Prozet mehr als doppet so hoch. Der Rest (16 Prozent bei 1300ccm.de beziehungsweise 24 Prozent bei den anderen) ruft die Seiten direkt auf. Alle genannten Zahlen sind die Durchschnittswerte der vergangenen 90 Tage. Blicke ich ein oder Jahr zurück, dann komme ich jedoch im Kern zu den gleichen Ergennissen.

Die Verhältnisse verschieben sich nur bei Lastspitzen. Also bei Artikel, die überdurchschnittliches Interesse finden. Sie werden sehr stark viral verbreitet. Bei Ihnen steigt die Quote derer, die einem Link folgen stark an. Das ist kein Wunder. Denn um die Zahlen langfristig vergleichen zu können, habe ich diese Zugriffe mit Gruppe der „Besucher ist einem Link gefolgt“ zusammengefasst.

Ein starker Besucher-Booster ist in solchen Fällen, dass der Artikel geteilt wird. Mein Artikel über Rekorde auf dem Nürburgring war so ein Fall. Genauso verhielt es sich, als Karla vor ein paar Tagen über die schrecklichen Bedingungen eines komerzilalisierten Welpenhandels schrieb. Solche Artikel werden nicht nur überdurchschnittlich kommentiert, sie werden in Zeiten von Facebook (und in Abstrichen auch Twitter) auch entsprechend oft geteilt.

Doch das sind leider Ausnahmen!

Im Standardgeschäft ist es wichtig, dass die eigene Seite bei Google (und Co.) gefunden wird. In meinem Fall ist das besonders bei 1300ccm.de der Fall. Das Blog findet – absolut gesehen – genauso viele Leser über Links oder direkte Besuche wie die Vergleichsblogs. Die Leser, die über Suchmaschinen auf die Seite kommen, sind das „Plus“. Deutlicher lässt sich die Relevanz von Suchmaschinen nicht belegen.

Das wissen auch die etablierten Medien. Und so erklärt sich, warum gerade die Online-Auftritte etablierter Medien so viel Wert auf eine laufende Suchmaschinenoptimierung legen. Es ist ja längst kein Geheimnis mehr, dass besonders Focus Online hier immer wieder (negativ) auffällt.

Doch das ist kein Einzelfall. Quasi alle etablierten Medien arbeiten mit entsprechenden Techniken. Anders als kleine Blogger, ob man sie nun als Verleger sieht oder nicht, verfügen die Verlage über das notwendige Geld, um ihre Redakteure mit diesen „Werbemaßnahmen“ zu unterstützen.

Das treibt manchmal bizzare Blüten.

Im Rahmen des Internetauftritts beihilferatgeber.de habe ich das Vergnügen, mit solchen Optimierungshelfern arbeiten zu dürfen. Vereinfacht gesagt geht es darum, den Leser dahin zu führen, wo der Seitenbetreiber ihn haben will. Im Fall einer Versicherung sind das die Seiten, die dem Interessenten die  Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen ermöglichen.

Ähnliches lässt sich bei den etablierten Medien beobachten. Als Gin-Trinker (NEIN keine Mode! Ich mache das seit Ende der Achtiger.) fand ich im Online-Angebot der FAZ einen Arikel über einen Gin aus der Eifel. Dort heißt es:

„… Gerald Koenen findet den Spitznamen für seinen Zögling klasse. Erfunden hätten ihn Freunde und Bekannte auf Facebook und mittlerweile habe sich die Kurzform eingebürgert. …“

Was erwartet Ihr als Leser jetzt?

Das Wort Facebook ist dabei in dem Artikel ein Link. Wohin sollte dieser Link führen? Meine Erwartung war eindeutig! Naiv, wie ich bin, habe ich erwartet, dass ich zum Facebook-Angebot des Gin-Herstellers komme. Denn, das hatte das Lesen des Artikels schon gezeigt, einen direkten Link zu ihm war der FAZ die Sache nicht wert. Doch mit dieser Annahme habe ich mir geirrt. Denn stattdessen gelangte ich auf eine Seite mit dem Titel: „Alle Nachrichten und Informationen der F.A.Z. zum Thema Facebook“.

Das ist mit Sicherheit nicht das, was die Mehrzahl der Leser bei dem Link erwartet! Dafür hat es der FAZ immerhin einen zweiten Seitenabruf beschert, den anders als erwartet, hatte ich den Mikrokosmus der FAZ nicht verlassen. Damit ist das Fazit einfach! Den Großen ist es im Netz offensichtlich egal, was der Leser will. Für sie zählt nur der Klick. Frei nach dem alten Motto: Floskeln, Floskeln und immer an die Auflage denken“.

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