Das Dagobert-Duck-Gefühl

Gucken aber nicht anfassen! Das ist hartes Brot angesichts einer Millionen Dollar in bar.

Der Kunstverein Ruhr zeigt noch bis zum 1.April eine Installation von Markus Sixay. Zu Füßen der Besucher liegen hunderttausend 100-Dollar Scheine.

Zehn Millionen Dollar sind schon eine verlockende Sache. Sie vor sich auf dem Boden liegen zu haben, ist ein merkwürdiges Gefühl. Schein für Schein, dicht an dicht, der Boden ist nicht mehr zu sehen. Wessen Hand zuckt da nicht ein Mal kurz zuzugreifen und sich ein Bündel der herrenlosen Scheine in die Tasche zu stecken?

Diese Summe kennen die meisten Menschen nur aus den Medien. Sie wurden entweder von Managern unterschlagen, als Subventionen gezahlt oder im Showgeschäft verdient. Eine Villa in Marbella oder ein Gemälde der Klassischen Moderne verschlängen in etwa diese Summe. In einzelnen Noten sichtbar und zum Anfassen, sehen solche Summen wohl nur Drogenbarone, Waffenhändler oder Erpresser, die das Lösegeld für ihr Geisel kurze Zeit in den Händen halten.

Merkwürdig, so viel Bargeld hat etwas Anrüchiges. Dabei käme der russische Milliardär Roman Arkadjewitsch Abramowitsch mit dieser Summe für sein neuestes Vergnügen lange nicht aus. Denn allein das Vorschiff seiner neuesten Yacht kostet um Einiges mehr. Für seinen Fußballclub FC Chelsea zahlte Abramowitsch 2003 zweihundertzehn Millionen Dollar und vermutlich ein Vielfaches für Handgelder und Ablösesummen.

Mit zehn Millionen Dollar hängt der Besitzer zwischen Baum und Borke. Aus dem Gröbsten ist er bestimmt heraus. Doch so richtig auf den Putz hauen kann er damit nicht, zumindest nicht im internationalen Vergleich.

Markus Sixay hat natürlich keine echten Dollar-Scheine für seine Installation im Kunstverein verwendet. Es sind Blüten, besser gesagt Kopien mit denen er einen Teppich der Begierde ausgelegt hat. Der Berliner, geb 1974,  hat seine Arbeiten bereits in München, in der Kunsthalle Kiel und auch im Museum Ludwig in Köln ausgestellt. In der Kunsthalle Nürnberg sammelte er 2005 unter dem Titel "useless information" den Papierabfall der Museumsverwaltung in einem Projektraum. Über die gesamte Laufzeit der Ausstellung war das komplette Team des Museum an der Anhäufung des Altpapiers beteiligt.

Der stetig wachsenden Berg sollte jedoch weniger auf das Thema Mülltrennung aufmerksam machen. Vielmehr wies Markus Sixay auf den enormen Aufwand hin, den der Datenschutz fordert. Papier wird beschrieben und dann wieder durch den Aktenvernichter gejagt, in einem unendlichen Kreislauf von Schreiben, Lesen, unlesbar Machen und Wegwerfen.

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