Ich hätte ja so gerne…!

Ursprünglich sollte dieser Text den Skulpturen des Bildhauers Bernar Venet gewidmet sein, doch wie so oft im Leben erfuhr dieser Plan eine Änderung.

Ich hätte ja so gerne einen großen Artikel über die Ausstellung des französischen Bildhauers Bernar Venet im MKM Museum Küppersmühle geschrieben. Welche interessante Parallelen hätte ich ziehen können zwischen der „Linie“ bei Venet und der „Fläche“ bei Richard Serra. Zwei Stahl-Bildhauer, die beide enge Bindungen zum Ruhrgebiet haben, doch verschiedener kaum seine könnten. Was für ein tolles Thema! Über Wochen habe ich mich auf die Ausstellung gefreut. Doch jetzt habe ich keine Lust mehr.

Nicht etwa weil das Thema seine Faszination verloren hätte oder gar weil die Ausstellung in der nächsten Woche schon abgebaut wird. Nein, daran liegt es keinesfalls. Es liegt noch weniger daran, dass ich zu faul wäre, mich nach Duisburg oder sogar noch Bonn zu begeben, um mit den verantwortlichen Organisatoren und Kuratoren Gespräche zu führen. Nein, denn genau das will ich seit Anfang September tun, seitdem die Ausstellung "System und Zufall" im MKM Museum Küppersmühle für moderne Kunst eröffnet ist.

Mit Optimismus ans Werk

Geduld war noch nie meine Stärke, doch im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass sie oft nötig ist, wenn ich mein angestrebtes Ziel erreichen will. In Bezug auf die Venet-Ausstellung war mein Ziel, mit der Kuratorin Susanne Kleine einen Rundgang durch die Schau zu machen und eventuell ein Wortlaut-Interview in meinen Artikel einzubauen.

An einem sonnigen Morgen, kurz nach der Eröffnung der Ausstellung am 08.September, rief ich also in der Pressestelle der Küppersmühle im Duisburger Innenhafen an und trug mein Anliegen vor. Natürlich musste ich klarstellen, dass ich ab dem 25. September für zwei Wochen keine Termine wahrnehmen könne, da sich in dieser Zeit das ruhrmentar-Team einen Urlaub gönnen werde. Die freundliche Pressereferentin teilte mir mit, dass sie so schnell wie möglich mit Frau Kleine einen Termin absprechen werde. Soweit prima. Ich packte meine Anfrage zur Sicherheit nochmals in eine E-mail.

Zwei Tage lang passierte gar nichts. Am dritten Tag wählte ich erneut die Nummer der Küppersmühle, um nachzuhaken. Ein Mann meldete sich, den ich bat, mich mit der Dame zu verbinden, mit der ich zuvor gesprochen hatte. "Tut mir leid, die ist um Urlaub." OK, ich stellte mein Anliegen nochmals vor, schrieb eine weitere Mail, baute goldene Brücken: "Sollte seitens Frau Kleine kein Interesse bestehen, einen Rundgang mit mir zu machen, so sagen Sie mir das bitte. Ich werde den Artikel dann anders aufbauen." Oh nein keinesfalls, wir haben großes Interesse an dem Interview, bekam ich zu hören.

In Gedanken durchschritt ich die Stadt Duisburg und stoppte kurz im Lehmbruck Museum dessen Pressesprecher Christian Gänsicke den besten Job macht, den sich ein Museum wünschen kann. Nun ja, es ist halt nicht alles Champions League, dachte ich mir, las mich weiter in das Thema ein und wartete geduldig. Eine Meldung aus dem MKM blieb jedoch aus. 

Kommunikation ist alles

Auf dem Weg an die Französische Atlantikküste diskutierte das ruhrmentar-Team über viele Dinge und auch über den geplanten Veröffentlichung zu Venet in Duisburg. Doch die wohlverdiente Erholung hatte nun Vorrang. Der Artikel musste warten. Jäten stand nun an, denn das Unkraut wucherte lustig vor sich hin. Feigen pflücken und Nüsse sammeln. Körperliche statt geistiger Arbeit. Was für ein Genuss! Die Hände mit dicken Gartenhandschuhen geschützt, rückte ich gerade dem Wildwuchs der Stockrosen zu Leibe, als sich weit entfernt aus den Tiefen einer Tasche mein Handy meldete. Es war reiner Zufall, dass ich es überhaupt hörte.

Eine Dame der Küppersmühle meldete sich. Oha, dachte ich. Bis das Missverständnis aufgeklärt war, dauerte es eine Weile, doch schließlich konnte ich klarstellen, dass ich keine Führung durch die Ausstellung buchen wollte, sondern seit Wochen auf einen Interview-Termin mit Frau Kleine hinarbeitete. Der gute Mann in der so genannten Pressestelle des Museum hatte mein Anliegen also offenbar derart fehl gedeutet, dass ich nun als mit dem Bündel winkende Kundin da stand. Hatte ich mich so kryptisch ausgedrückt? Eher nicht! Die sehr freundliche und engagierte Museumspädagogin versprach mir also, mich und meine Daten an die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. in Bonn weiterzuleiten, damit endlich mal Bewegung in die Sache käme.

Ihre Funktion definiert die Stiftung selbst wie folgt: "Das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, eines der größten deutschen Privatmuseen, wird künstlerisch und organisatorisch von der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. betreut. Seit der Eröffnung des MKM im Jahre 1999 ist der Bonner Stiftungsverein alleiniger Betreiber des Museums und sowohl für die Verwaltung der Sammlung Ströher in Duisburg als auch für die Konzeption und Durchführung der Wechselausstellungen verantwortlich."

"Ideen sind gut, Ideen umsetzen ist besser." Der Leitgedanke der seit 1986 in Bonn ansässigen Stiftung stimmte mich zuversichtlich. Ließ er doch vermuten, dass ich es mit pragmatischen und tatkräftigen Menschen zu tun hatte. Tatsächlich meldete sich zwei Tage später René Freund, ein Vertreter der Stiftung. Die äußerst heikle Zubereitung einer göttlichen Mouclade musste warten, als er mir mitteilte, dass die Stiftung mich nun gerne zu einem Interview einladen wolle. Ein Termin für die zweite Oktoberwoche wurde "locker angedacht".

Ganz viel Wind

Samstags zurück aus Frankreich, Montags das Telefon am Ohr: "Aah, Frau Schwede!" "Ja, Herr Freund. Wie sieht es denn aus mit unserem Termin?" Mit großem Eifer in der Stimme eröffnete Herr Freund mir die freudige Nachricht: Die Kuratorin Susanne Kleine sollte nun nicht mehr meine Gesprächpartnerin sein. An ihrer Stelle würde der Vorstandsvorsitzende der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. und Direktor des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst Walter Smerling himself das Interview führen wollen.

Auch gut. Ich machte Herrn Freund dennoch darauf aufmerksam, dass die Ausstellung schon am 28.Oktober enden werde, ich also den Artikel möglichst schnell fertigstellen wollte. Schließlich würde ich ja schon mehrere Wochen versuchen ein wie auch immer geartetes Gespräch zu vereinbaren. Noch am gleichen Abend würde er, so Herr Freund weiterhin eifrig, Walter Smerling sehen, könnte also gleich nachfragen und mir direkt am nächsten Tag den Termin durchgeben.

Sendepause!

Genau deswegen habe ich keine Lust mehr. Ich habe keine Lust mehr auf "die linke Hand weiß nicht, was die rechte Hand tut". Ich habe keine Lust mehr auf tönende Interessensbekundungen, die schließlich in einem diesigen Tümpel von Zuständigkeiten ertrinken. Natürlich hätte ich den Artikel auch ohne ein Interview schreiben können. Bernar Venet trägt keine Schuld. Richard Serra noch viel weniger. Doch mir ist der Spaß vergangen.

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