Musik aus dem Schmelztiegel

Mit viel Spaß und mitreißender Musik begrüßte die Philharmonie Essen das junge Jahr 2008.

Das Konzertgespräch im Foyer der zweiten Ebene war gut besucht. Ein gut aufgelegter HK Gruber gab in feinem Wienerisch Anekdoten aus der Vergangenheit und Gegenwart der „modernen“ klassichen Musik zum Besten. Michael Kaufmanns Bälle nahm er geschickt auf und ließ schon vor Beginn des Neujahrskonzertes seine Entertainerqualitäten aufblitzen.

"Das kann doch nur ein Teil des Programms sein. Dadaismus pur ist das hier." Auf der verzweifelten Suche nach seinem Platz, die Karte fest in der Hand, verlor der ältere Herr nicht seinen Humor. Denn nicht nur er, sondern eine ganze Schar von Konzertbesuchern trieben verzweifelt durch das Parkett. Die Reihe 1 fehlte!

Wie nun, wo nun? Erstaunlich gelassen ignorierten die meisten den vorlauten WAZ-Fotografen, der so etwas wie "Wer lesen kann ist klar im Vorteil" über die Stühle brüllte, und einigten sich gütlich. Schließlich wollten sie keine Dada-Diskussion führen, sondern eine dadaistische Einführung hören. 

Kommentarlos und ohne Umschweife eröffnete HK Gruber sodann das Neujahrskonzert 2008 in der Philharmonie Essen. Schon mehrfach wird das Ensemble Modern seine Ursonate gehört haben, doch viele der Musiker konnten und wollten ihren Spaß nicht verbergen. Das Lautgedicht des aus Hannover stammenden Künstlers Kurt Schwitters ist ohne Zweifel auch nach rund 80 Jahren noch zugleich hoch interessant und urkomisch. Gruber ließ von Öööös zu Iiiis und Brrmms seine Stimme tanzen, dass die Dadaisten der Welt ihr Freude gehabt hätten. Aus vollkommen sinnentleerten Lauten wuchs eine Melodie, die erst sanft und liebevoll beschwichtigte, um dann plötzlich kraftvoll und wütend aufzuwühlen. 

Allerdings nicht der bildende Künstler Schwitters, sondern Kurt Weill stellten HK Gruber und Intendant Michael Kaufmann schon 2006 ins Zentrum ihrer Betrachtung. Sie erhoben den 1950 in New York verstorbenen Komponisten zur "musikalische Kühlerfigur des Ruhrgebietes" und widmeten seinen Kompositionen die folgenden Neujahrskonzerte. 2006 gab es ausschließlich Stücke von Kurt Weill, das 2007er Konzert weitete sich auf musikalische Verwandte wie Strawinski aus. Wie in der Vorschau schon berichtet, stießen am vergangenen Mittwoch die amerikanischen Komponisten seiner Zeit dazu.

Die montageartig zusammengestellten Ausschnitten aus Weills fast vergessener "Zaubernacht" und seinem größten Broadway-Erfolg "Lady in the dark" sang die weill-erfahrene Sopranistin Ute Gfrerer. Teils im Duett mit HK Gruber brachte sie die großen Gefühle des Broadways der 40er Jahre zu schwingen. Das beeindruckende Ensemble Modern rundete mit Gershwin, Strawinsky und Leonard Bernstein einen sehr amerikanischen Abend ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.