Der Pfeil als künstlerischer Spielball

Leuchtend gelbe Pfeile weisen uns den Weg durch die Region. Zu Wasser und zu Land setzt das Projekt „Wegweiser“ von Peter Fassbender unübersehbare Zeichen.

Wie bereits angekündigt, möchte ruhrmentar einige Künstler aus dem Ruhrgebiet vorstellen, die sich mit ihren Projekten für das Kulturhauptstadtjahr 2010 beworben haben. Die „Wegzeichen“ des Gelsenkirchener Künstlers Peter Fassbender versprechen Aufsehen erregend und Raum greifend zu werden.

Seit 30 Jahren arbeitet der Kunsthistoriker auch als freischaffender Künstler und hat mit seinen Malereien, Raumarbeiten und Installationen bisher mehr als zwanzig Ausstellungen im In- und Ausland bestückt. Zwei Mal hat er bereits mit seinen Raum-Installationen und kinetischen Objekten an den Kunstquadraten in der Zeche Zollverein (Forum 06 und Messe 06) teilgenommen. Die Entwicklung und Umsetzung seiner künstlerischen Ideen betreibt er kompromisslos und vollkommen unabhängig von Markt-Tendenzen oder Trends. Nun hat er ein System von leuchtend gelben Pfeilen entwickelt, das uns einerseits leiten aber auch in die Irre führen will. Peter Fassbender hat ruhrmentar ein Interview gegeben, dass Aufschluss über unsere Seh- und Gehgewohnheiten gibt.


ruhrmentar:
Ihr Pfeil-Projekt ist recht umfangreich und "flächendeckend". Wie haben Sie diese Idee entwickelt?


Peter Fassbender:
Das Projekt "Wegzeichen" hat sich aus meiner Beschäftigung mit den Problemen "Kunst und städtisches Umfeld" und "Kunst und Naturlandschaften" ergeben. Diesen Fragen gehe ich seit dem Jahre 2000 nach. Auslöser für mein Projekt war meine intensive Auseinandersetzung mit Zeichen und Symbolen im städtischen Umfeld: im Straßenverkehr, in Bahnhöfen, Flughäfen, Kaufhäusern und Fußgängerzonen.

Besonders faszinierend waren für mich Pfeile jeglicher Art. Ihre unterschiedlichen Formen und Farben sowie ihre vielfältigen Bedeutungen beschäftigen mich schon seit einigen Jahren. Denn der Pfeil ist als Kommunikationszeichen zu verstehen, ein im kollektiven Bewusstsein aller Kulturstaaten verankertes „Superzeichen“. Seine richtungsbetonende Form spielt in konkreten gesellschaftlichen Zusammenhängen eine bedeutsame Rolle, vor allem im Straßenverkehr, in öffentlichen Gebäuden, in den Medien usw. In diesem Kontext stellt sich der Pfeil als Funktionsträger dar, der vor allem den Kommunikationsfluss beschleunigt: er zeigt, weist hin, fordert auf, ordnet an. Seine Aufgabe ist die zeitökonomische und zielgerichtete Beeinflussung von Bewegungsprozessen.

Genau betrachtet definiert er sich als Einheit aus Richtungsverweis, Bewegung und Zielperspektive. Aus dieser Faszination entwickelte sich folgerichtig mein Projekt. Dabei leitete mich vor allem eine Frage: Wie kann ich dieses prägnante Zeichen so verwandeln, dass es eine künstlerische Dimension erreicht, ohne seine ursprüngliche Aufgabe völlig zu verlieren. Die Vorstellung, dass der Pfeil im öffentlichen Raum bestimmte Aufgaben zu erfüllen hat, z.B. zu leiten, zu führen, zu lenken und zu einem bestimmten Ziel zu führen, kann aus künstlerischer Sicht ins Gegenteil verkehrt werden.


ruhrmentar:
Sie wollen also verwirren und fehl leiten?


Peter Fassbender:
(lacht) Ja auch! Aber zunächst wird der Pfeil zum Spielzeug des Künstlers, in dem er ihm seine Zielperspektive entzieht. Denn obwohl er weiterhin als Form eine Zeigefunktion hat, kann man so ihn so verwenden, dass das Zeigen seinen Sinn verliert. Das irritiert den Betrachter, regt ihn aber auch dazu an, Fragen zu stellen.


ruhrmentar:
Wo planen Sie denn Ihre Objekte zu installieren?


Peter Fassbender:
Mein Projekt bezieht sich schwerpunktmäßig auf Gelsenkirchen, genauer auf die Nord-Südachse. Auf dieser Achse befinden sich Parks, Gewässer, wichtige Gebäude und Fußgängerzonen. An ausgewählten Standorten sollen auf dieser Achse Pfeil-Objekte positioniert werden, die den aufmerksamenb Besucher als optische Highlights begleiten. Die Pfeile können ebenso Schwimm-Objekte, wie kinetische-Objekte oder Skulpturen sein.

Das Pfeilsystem tritt an diesen Standorten dann in doppelter Funktion in Erscheinung: einerseits erfüllt es den Zweck von Wegweisern und übernimmt damit im urbanen oder naturlandschaftlichen Raum eine Leitfunktion.


ruhrmentar:
Aber wohin leitet es uns, wenn die Pfeile selbst ihre ursprüngliche Funktion eingebüßt haben?


Peter Fassbender:
Es betont innerstädtische Raumachsen und bildet optische Schwerpunkte mit dem Verweis auf architektonische und landschaftliche Sehenswürdigkeiten bis in die Naherholungsgebiete. Andererseits bietet es optische Reizpunkte als ästhetisches Spiel von Kontrasten, wobei der Widerspruch von Objekt zu Objekt, von Objekt zu Umfeld sich eignet, Fantasie und Assoziation frei zu setzen und sich von statischen oder bewegten Formen, von Farbe, Licht, Schatten und Spiegelung emotional anrühren und gedanklich anregen zu lassen.


ruhrmentar:
Ihre Objekte sollen bevorzugt aus hoch glänzend lackiertem Aluminium sein. Wie hoch werden denn ungefähr die Kosten für Ihre "Wegweiser" sein?


Peter Fassbender:
Bevor ich über die Kosten des Projektes sprechen kann, muss ich abwarten, ob es Befürworter findet.


ruhrmentar:
Was bedeutet für Sie persönlich Ihr Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010?


Peter Fassbender:
Einen offiziellen Auftrag zu bekommen, ist für jeden Künstler eine attraktive Sache. Abgesehen davon: Die Plattform Kulturhauptstadt 2010 ist eine einmalige Gelegenheit, sich einem breiten Publikum vorzustellen und dauerhaft eine Region mitzugestalten.

Mein Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr 2010 versteht sich als Beteiligung an der kulturellen Neuorientierung dieser Region. Dabei geht es mir vor allem um eine breitere Präsenz der bildenden Kunst im öffentlichen Raum. Mit Blick auf meinen Beitrag bedeutet das, den öffentlichen Raum im Bereich der Stadt Gelsenkirchen mit bildender Kunst so aufzuwerten, dass ein überregionales Interesse an diesem Raum geweckt wird. Durch die Installation von "Markenzeichen" kann sich ein unverwechselbares Erscheinungsbild, eine Art Corporate Identity, entwickeln.

Die Bewohner und die Besucher dieses Raumes sollen nicht nur auf die Besonderheit der Region aufmerksam gemacht werden, z.B auf architektonische und naturlandschaftliche Sehenswürdigkeiten; sie sollen sich auch durch Kunst im öffentlichen Raum angesprochen fühlen und zur Meinungsbildung inspirieren lassen.

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