…Klangverschlinger… (2)

Sie gehen durch die Ohren direkt in den Kopf. Gut gemachte Hörbücher sind spannender als Filme.

Bücher machen Bilder und Töne im Kopf. Hörbücher bringen die Töne mit, doch die Bilder muss nach wie vor die Phantasie malen. Nun könnte man behaupten, dass Hörbücher die schöne, alte Tradition des Vorlesens verdrängen oder gar bald ganz ersetzen. Fast jedes gute Kinderbuch gibt es mittlerweile in der Audio-Version. Wozu also noch lesen? Zum Glück liegen zwischen Mamas oder Papas Stimme und der eines zwar brillianten aber dennoch fremden Sprechers immer noch Welten.


"Der Wind in den Weiden"
gelesen von Harry Rowohlt ist ein Kleinod. Schon 1908 veröffentlichte der gebürtige Schotte Kenneth Grahame, die Geschichte vom Maulwurf, der Wasserratte, dem Dachs und dem unsteten Kröterich. Die leise und sprachlich wunderschöne Geschichte ist allerdings nichts zum nebenbei hören. Harry Rowohlts feine Ironie und das zarte Murmeln des Flusses  fordern uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Nervende Nebengeräusche verderben den Spaß, für eine lange Autofahrt empfehlen sich deshalb Kopfhörer. 

Zugehört und aufgesaugt 

Kommen wir aber zurück zu unseren Kindern der 2a. Nur den wenigsten ist der Begriff "Hörbuch" geläufig. Diejenigen, die angeben Hörbücher zu besitzen, weiten in ihnen meist die Vorlieben aus, die sie auch bei Büchern zeigen. Der unvermeidliche Harry Potter steht hier allerdings nicht auf der Pole Position. Es findet sich ein bunte Mischung aus Bibi Bloxberg, Pippi Langstrumpf, der Schatzinsel und Weihnachtsliedern. 

Hörbücher sind für Kinder natürlich deutlich leichter zu konsumieren als ihr gedrucktes Pendant. Sie fordern wesentlich weniger Konzentration und stille sitzen muss man auch nicht. Während das Sams (ein Rufus Beck der Spitzenklasse) in Herrn Daumes Wohnzimmer einen Wald wachsen läßt, können ganz nebenbei ein paar Lego-Autos gebaut oder eine Serie von Bildern gemalt werden. 

Ein solches Multitasking kann nicht funktionieren. So denken zumindest die meisten Erwachsenen, werden jedoch spätestens beim Abendessen eines Besseren belehrt, wenn das Kind textfest ganze Szenen rezitiert. Je nach dem welches Hörbuch gerade aktuell ist, kann ein geschickt
platziertes Zitat den Hausfrieden schnell in eine prekäre Schieflage
bringen. Denn sie tauchen ein. Sie tauchen ganz tief in Tobbis Angst vor dem Plätteisenmann. Seite an Seite mit Robbi fliegen sie dann im Fliewatüüt über den Ozean oder mit der kleinen Hexe auf dem nagelneuen Besen zur Schule. Ritter Rost, Burgfräulein Bö und der Drache Koks entführen sie wahlweise in den Fabelwesenwald oder nach China. Ihre köstlichen Texte und Lieder, die vom Jazz zum Barock tanzen, reißen Kinder wie Erwachsene mit.

Lügende Affen reisen durch die Weltgeschichte


"Schon gewußt?"
heißt eine kleine Reihe von Terzio, die nicht Fiktionen, sondern die echte wahre Welt zu Thema hat. Renommierte Professoren und Wissenschaftler beantworten die Fragen, mit denen Eltern oft überfordert sind. Denn sind sie auch noch so schlau und gebildet, sie können nicht Biologen, Klimaforscher, Sprachwissenschaftler, Anthropologen oder Mathematiker in zwei Personen sein. Oft lustig und für Kinder leicht zu verstehen legen die Experten teils hochkomplizierte Vorgänge bestechend einfach dar.

Die Funktionsweise unseres Gehirns anschaulich zu erklären ist nicht gerade ein Pappenstiel, gleiches mal eben mit unserer Weltgeschichte zu versuchen scheint vollkommen unmöglich. Doch der britische Kunsthistoriker Ernst H. Gombrich hat es geschafft. "Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser" ist bis heute unerreicht, denn sie verfängt sich nicht in Details. Wenn Grundschulkinder also in der Lage sind, scheinbar nebenbei einen ganzen Roman zu speichern, dann werden sie mit geschichtlichen Fakten nicht anders verfahren. Vorausgesetzt natürlich, ihr Ton wird getroffen. Der Schaupieler Christoph Waltz liest die traumhaft bildreiche Sprache Gombrichs wie ein guter Freund. Gemeinsam mit diesem Freund erhellt das Kind das tiefe Brunnenloch der Vergangenheit. 

Lesen Sie weiter in Teil 3 "…und Aufsaugmonster aller Art."

 

 

 

 

 

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