Eurowings – da kannst Du gleich die Bahn nehmen

Irgendwie ist kein Seegen auf meinen Reisen nach Berlin. Schon vor etwas mehr als einem Jahr blieb ich bei einer Reise mit einer Lufthansa-Tochter in Berlin hängen. Gestern stich die Lufthansa-Tochter Eurowings meinen Flug ersatzlos.

Im März 2015 vollzog ein Mitarbeiter des Unternehmens einen erweiterten Suizid. In den ersten Stunden, als die Hintergründe dieser schrecklichen Tat noch nicht klar waren, gab es Gerüchte über einen technischen Defekt am Fluggerät.Woraufhin zahlreiche Flugzeugbesatzungen nicht zum Dienst antraten. Mich wundert ja bis heute, daß dieser Aspekt der Tragödie in der Öffentlichkeit so wenig Beachtung fand. Denn wenn die eigenen Mitarbeiter offensichtlich so wenig Vertrauen in die eigenen Arbeitsgeräte haben, dann ist das in meinen Augen ein beängstigendes Warnsignal. Damals löste das Unternehmen das Chaos mit einem Umbuchen auf Air Berlin auf. Das Ergebnis waren einige Stunden Verspätung. Auf eine Entschuldigung für meine Unannehmlichkeiten warte ich bisher übrigens vergebens. Service sieht – bei allem Verständnis für wichtige Dinge im Zusammenhang mit diesem Tag – anders aus!

Gestern erlebte ich – ausgerechnet – in Berlin ein Déjà-vu. Nach einem Arbeitswochenende mit einem aufregenden Auto-Test in der Hauptstadt wollte ich mit Eurowings nach Düsseldorf fliegen. Ich lag gut in der Zeit, musste am Flughafen Tegel sogar noch etwas Wartezeit überbrücken. Ich nutzte diese, um in der Business-Lounge einen Kaffee zu trinken. Rund 50 Minuten, bevor der Flug zum Boarding anstand, informierte mich eine Lautsprecherdurchsage, dass der Flug annulliert sei. Die freundliche Stimme bat mich, zum Schalter in der Business-Lounge zu kommen. Dort erfuhr ich von einem Defekt der Notrutsche des eingeplanten Flugzeugs. Daher könne die Maschine – nachvollziehbarerweise – nicht fliegen. Meiner Bitte, mich umzubuchen, konnte die freundliche Dame jedoch nicht erfüllen. Ihr würde das notwendige Programm fehlen. Ich möge dazu bitte den Schalter in der Abflughalle aufsuchen.

Gesagt, getan – dank meiner langen Beine hatte ich Glück, dass ich vor der Masse der anderen Fluggäste den Schalter erreichte. Doch auch dort weigerte sich ein – extrem unfreundlicher Mitarbeiter – eine Umbuchung vorzunehmen. Alle Flüge seien voll. Mein Vorschlag über Frankfurt oder München zu fliegen, schlug der Mann lapidar mit einem schnodderigen „Kommt gar nicht infrage!“ ab. Zudem müsse er das auch nicht prüfen, alle Flüge seien ja voll.

Gehts noch Eurowings?

Ich fliege fast jede Woche mit irgendeinem der inzwischen zahlreichen Lufthansa-Unternehmen zu geschäftlichen Terminen. Als Kunde erwarte ich, dass man mir zumindest Mindeststandards der Höflichkeit entgegenbringt. Gestern war das nicht der Fall. Statt einer Umbuchung wurde den Kunden nur ein Bahngutschein „zugeteilt“. Angesichts des arroganten Verhaltens des Schalterbediensteten verbietet sich jeder andere Begriff. Mal ganz sachlich. Ich habe mich bewusst für eine Flugreise entschieden. Denn der Zug benötigt von Berlin bis Essen rund 3 ½ Stunden. Mit dem Flieger geht es in einer Stunde nach Düsseldorf. In beiden Fällen benötige ich anschließend eine ½ Stunde für den restlichen Heimweg. Insgesamt gewinne ich mit dem Flieger also gut 2 ½ Stunden.

Auf meine Frage, wie ich denn zum Bahnhof komme, bekam ich nur einen – ebenfalls unverschämt formulierten Hinweis – zu den vor dem Flughafen fahrenden Bussen. „Da müssen Sie mal gucken!“ Dabei unterlegte der Herr seine eher unkonkrete „Hilfestellung“ mit einem genervten Winken der Hand. Sollte wohl heißen, dort stehen die irgendwo Busse, nun frag nicht so doof. Offensichtlich ging es diesem Lufthansa-Mitarbeiter nur darum, die betroffenen Kunden loszuwerden. Natürlich ist mir klar, dass das gestern eine Ausnahmesituation war. Trotzdem muss es möglich sein, an einem Sonntag Nachmittag an einem Infoschalter einen Menschen einzusetzen, der zumindest im Ansatz etwas von seinem Job – zudem Freundlichkeit gehört – versteht.

Gestern war das zumindest in Berlin nicht der Fall. Das Verhalten der Fluggesellschaft und ihrer Mitarbeiter gegenüber den Kunden war inakzeptabel. Ich bin wirklich gespannt, was Eurowings sich in den kommenden Wochen zu dieser Geschichte einfallen lässt. Wobei ich da keine großen Hoffnungen hege. Denn der Servicestandard des Unternehmens, den der unfreundliche Mitarbeiter am Serviceschalter in Berlin repräsentierte, lässt nichts Gutes erwarten. Vielleicht sollte ich mich in Zukunft direkt für die Bahn entscheiden, denn da war das Personal gestern ausgesprochen freundlich.

Der Abstieg des VfB Stuttgart beweist, für Erfolg brauchst du Konstanz!

Der Abstieg des VfB Stuttgart wurde gestern besiegelt. In meinen Augen ist der Abstieg der Stuttgarter ja kein Verlust. Und nebenbei eine Warnung dafür, wie eine chaotische Vereinspolitik in den Abgrund führt. Anders als zu Zeiten eines Gerhard Mayer-Vorfelder ist der Verein heute (extrem) schlecht geführt. Deutlich wird das an den zahlreichen Trainerwechseln, die in Stuttgart zum Alltag gehören.

Zehn Trainer in siebeneinhalb Jahren

Gleich mehrmals wiederholte sich am Nekar das Spiel, dass die Mannschaft deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb und als Folge der Trainer gehen musste. Mit einem Neuen an der Seitenlinie startete die Mannschaft dann eine kurze Siegesserie, um schnell wieder in den Abstiegsstrudel zu geraten. Worauf sich das Spiel des Trainerwechsels wiederholte. In siebeneinhalb Jahren verschliss der VfB Stuttgart so zehn Trainer.

Nach Meistertrainer Armin Veh, der die Stuttgarter 2007 zum Titel führte und knapp ein Jahr später das Traineramt verlor, hielten sich die VfB-Trainer durchschnittlich lächerliche 283 Tage im Amt. Nimmt man Bruno Labbadia, der sich immerhin 987 Tage im Amt hielt, heraus, sind es sogar nur 192 Tage. Wobei sich der aktuelle Trainer wohl nicht einmal so lange halten wird. Denn ich gehe davon aus, dass Jürgen Kramny nach dem Abstieg als Cheftrainer nicht mehr tragbar ist.

Ohne Kontinuität kein Erfolg. Bereits in den beiden vergangenen Spielzeiten entgingen die Stuttgarter trotz der Trainerwechsel nur knapp dem Abstieg. Jetzt endet das Kapitel Bundesliga für den VfB Stuttgart nach 39 Jahren. Wobei ich echt erstaunt bin, dass in vielen Medien bei der Zugehörigkeit zur Liga gerade etwas anderes lese. Denn nicht nur bei Spiegel Online heißt es:

„41 Jahre am Stück war der VfB in der ersten Bundesliga, nun geht es runter in Liga Zwei.“

Screenshot Spiegel Online vom 15.05.2016

Screenshot Spiegel Online vom 15.05.2016

Das soll hier nicht zur Medienkritik ausarten. Aber das ist Blödsinn. Der VfB Stuttgart stieg in der Spielzeit 1976/1977 in die Bundesliga auf. Damals schloss der VfB die Saison der 2. Bundesliga Süd als Staffelsieger ab. Es folgten 39 Spielzeiten im Oberhaus. Gemeint ist wohl der Bezug zum letzten Bundesliga-Abstieg des VfB Stuttgarts. Denn der liegt tatsächlich 41 Jahre zurück. Am Ende der Spielzeit 1974/1975 stieg der VfB Stuttgart als 16. aus der Bundesliga ab.

Es folgte ein konsequenter Neuaufbau, der nach zwei Jahren in der zweiten Liga zum Wiederaufstieg führte. Das Geheimnis des Erfolgs war eine junge Mannschaft. Mit ihr etablierte sich der VfB im Oberhaus und spielte in den kommenden Jahren sogar regelmäßig europäisch. Ein Szenario, das heute am Nekar wohl nicht realistisch ist. Denn Tradition allein ist keine Strategie. Ich habe Zweifel, ob dem VfB Stuttgart erneut der Wiederaufbau gelingt. Der Unterbau der zweiten Mannschaft steigt im Schatten der ersten Mannschaft gerade aus der dritten Liga ab. Jemand der den Verein, wie vor 40 Jahren aus der Krise führt, ist im Moment nicht in Sicht.

Der aktuelle Abstieg des VfB Stuttgart ist auch ein Gegenbeweis dafür, warum “Fussball-Märchen” beim FC Ingolstadt, dem FC Augsburg oder auch beim SV Darmstadt funktionieren. Denn bei diesen Vereinen gibt es eine klare Strategie und realistische Zielsetzungen. Das führte sie nach oben. Dem VfB Stuttgart droht jetzt das Schicksal von 1860 München, dem VfL Bochum oder – und das wird die Fans der Stuttgarter besonders ärgern – des KSC. Auch diese galten früher im Oberhaus als unabsteigbar. Heute dümpeln sie nur noch im Mittelfeld der zweiten Liga rum.

Immerhin, denn gut möglich, dass die Reise des VfB noch nicht zu Ende ist. Paderborn macht es ja gerade vor, wie man als Bundesliga-Absteiger durch die zweite Liga rauscht und im Eiltempo der dritten Liga entgegenstrebt. Früher, als es noch nach oben ging, war übrigens auch Paderborn ein Musterbeispiel für eine ruhige und überlegte Vereinspolitik. Doch nach dem Abstieg aus der Bundesliga wichen die Verantwortlichen von ihrem zuvor so planvollen Handeln ab. Doch selbst mehrere Trainerwechsel änderten nichts, die Mannschaft verlor (meist) weiter. Am Ende steht vermutlich der Abstieg. Das erinnert fatal an den VfB Stuttgart.

Anmerkung: Beim Spiegel hat man nach meinem Tipp inzwischen nachgerechnet und den Artikel korrigiert. Bloggen wirkt, wie ich immer schreibe 😉

Wo kommen eigentlich Deine Leser her?

Oder die Sache dessen, was erwartest Du, wenn Du einen Link siehst. Warum mir das Link-Verhalten der großen Medienhäuser auf den Sack geht.

Bloggen macht Spaß. Die Blogs, für die ich schreibe, finden seit Jahren konstant ihre Leser. Interessant ist, dass die Zahl der täglichen Besucher dabei in allen Blogs seit gut zwei Jahren stabil ist. Natürlich gibt es Ausreißer. Aber bei einer Betrachtung des Durchschnitts verläuft die Besucherentwicklung inzwischen seit einiger Zeit ziemlich wagerecht zur Zeitachse.

Interessant ist allenfalls, wie sich die Herkunft der Leser zwischen den Blogs unterscheidet. 1300ccm.de, wo es um Autos geht, lebt hauptsächlich davon, dass ihr Suchmaschinen Leser zuführen. Zurzeit stammen rund 56 Prozent der Zugriffe aus sogenannten „organische“ Suchen. Bei anderen Blogs, deren Zugriffszahlen ich kenne, liegt dieser Wert „nur“ bei 17 Prozent.

Im Fall von 1300ccm.de folgen knapp 28 Prozent der Leser einem Link, den sie auf einer anderen Seite gefunden haben. Bei meinen Vergleichsblogs liegt dieser Wert mit statten 59 Prozet mehr als doppet so hoch. Der Rest (16 Prozent bei 1300ccm.de beziehungsweise 24 Prozent bei den anderen) ruft die Seiten direkt auf. Alle genannten Zahlen sind die Durchschnittswerte der vergangenen 90 Tage. Blicke ich ein oder Jahr zurück, dann komme ich jedoch im Kern zu den gleichen Ergennissen.

Die Verhältnisse verschieben sich nur bei Lastspitzen. Also bei Artikel, die überdurchschnittliches Interesse finden. Sie werden sehr stark viral verbreitet. Bei Ihnen steigt die Quote derer, die einem Link folgen stark an. Das ist kein Wunder. Denn um die Zahlen langfristig vergleichen zu können, habe ich diese Zugriffe mit Gruppe der „Besucher ist einem Link gefolgt“ zusammengefasst.

Ein starker Besucher-Booster ist in solchen Fällen, dass der Artikel geteilt wird. Mein Artikel über Rekorde auf dem Nürburgring war so ein Fall. Genauso verhielt es sich, als Karla vor ein paar Tagen über die schrecklichen Bedingungen eines komerzilalisierten Welpenhandels schrieb. Solche Artikel werden nicht nur überdurchschnittlich kommentiert, sie werden in Zeiten von Facebook (und in Abstrichen auch Twitter) auch entsprechend oft geteilt.

Doch das sind leider Ausnahmen!

Im Standardgeschäft ist es wichtig, dass die eigene Seite bei Google (und Co.) gefunden wird. In meinem Fall ist das besonders bei 1300ccm.de der Fall. Das Blog findet – absolut gesehen – genauso viele Leser über Links oder direkte Besuche wie die Vergleichsblogs. Die Leser, die über Suchmaschinen auf die Seite kommen, sind das „Plus“. Deutlicher lässt sich die Relevanz von Suchmaschinen nicht belegen.

Das wissen auch die etablierten Medien. Und so erklärt sich, warum gerade die Online-Auftritte etablierter Medien so viel Wert auf eine laufende Suchmaschinenoptimierung legen. Es ist ja längst kein Geheimnis mehr, dass besonders Focus Online hier immer wieder (negativ) auffällt.

Doch das ist kein Einzelfall. Quasi alle etablierten Medien arbeiten mit entsprechenden Techniken. Anders als kleine Blogger, ob man sie nun als Verleger sieht oder nicht, verfügen die Verlage über das notwendige Geld, um ihre Redakteure mit diesen „Werbemaßnahmen“ zu unterstützen.

Das treibt manchmal bizzare Blüten.

Im Rahmen des Internetauftritts beihilferatgeber.de habe ich das Vergnügen, mit solchen Optimierungshelfern arbeiten zu dürfen. Vereinfacht gesagt geht es darum, den Leser dahin zu führen, wo der Seitenbetreiber ihn haben will. Im Fall einer Versicherung sind das die Seiten, die dem Interessenten die  Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen ermöglichen.

Ähnliches lässt sich bei den etablierten Medien beobachten. Als Gin-Trinker (NEIN keine Mode! Ich mache das seit Ende der Achtiger.) fand ich im Online-Angebot der FAZ einen Arikel über einen Gin aus der Eifel. Dort heißt es:

„… Gerald Koenen findet den Spitznamen für seinen Zögling klasse. Erfunden hätten ihn Freunde und Bekannte auf Facebook und mittlerweile habe sich die Kurzform eingebürgert. …“

Was erwartet Ihr als Leser jetzt?

Das Wort Facebook ist dabei in dem Artikel ein Link. Wohin sollte dieser Link führen? Meine Erwartung war eindeutig! Naiv, wie ich bin, habe ich erwartet, dass ich zum Facebook-Angebot des Gin-Herstellers komme. Denn, das hatte das Lesen des Artikels schon gezeigt, einen direkten Link zu ihm war der FAZ die Sache nicht wert. Doch mit dieser Annahme habe ich mir geirrt. Denn stattdessen gelangte ich auf eine Seite mit dem Titel: „Alle Nachrichten und Informationen der F.A.Z. zum Thema Facebook“.

Das ist mit Sicherheit nicht das, was die Mehrzahl der Leser bei dem Link erwartet! Dafür hat es der FAZ immerhin einen zweiten Seitenabruf beschert, den anders als erwartet, hatte ich den Mikrokosmus der FAZ nicht verlassen. Damit ist das Fazit einfach! Den Großen ist es im Netz offensichtlich egal, was der Leser will. Für sie zählt nur der Klick. Frei nach dem alten Motto: Floskeln, Floskeln und immer an die Auflage denken“.

Werbung im Blog?

Das Thema Werbung im Blog ist in den vergangenen Tagen in der Blogosphäre immer wieder ein Thema. Nicht nur in diesem Punkt ist die Welt der Blogger geteilt. Es gibt die, die von ihrem Blog leben wollen, und es gibt die, die nur zum Spaß bloggen. Das führt teilweise zu seltsamen Blüten und – schließlich geht es um Geld – auch zu Konkurrenzsituationen.

Darüber sind schon einige Blogger-Allianzen, die kurz zuvor noch die Welt aus den Angeln heben wollten, zerbrochen. Wer von seinem Blog leben will, der kommt an Werbung nicht vorbei. Gleichzeitig mehren sich aus dem Kreis der Hobby-Blogger die Stimmen, die – zumindest vordergründig – ihren Abschied von der Werbung verkünden.

Ein aktuelles Beispiel dafür gibt es bei Thomas von reisen-fotografie.de zu lesen. In seinem Augen lohnt sich die Akquise von Werbung nicht. Darum wird es in seinem Blog keine Werbung mehr geben. Außer es findet sich der Richtige, wie Thomas etwas inkonsequent an anderer Stelle schreibt. Denn ganz will er sich die Tür offensichtlich doch nicht verschließen.

Wie kann ein Blog eigentlich Geld verdienen?

Neben klassischen Anzeigen posten viele Blogs Advertorials. Das sind die Online-Version dessen, was die Verlage „Sonderbeilage“ nennen: Also bezahlte Beiträge. Grundsätzlich ein bewährtes Geschäftsmodell. Für das allerdings klare Regeln gelten. Solche Beträge sind deutlich als Werbung zu kennzeichnen. In unserem großen Auto-Blog ändern wir daher bei solchen Advertorials die Schrift und fügen eine Hintergrundgrafik mit dem Text „Anzeige“ ein.

Leider ist das bei vielen anderen Blogs (und auch den Webseiten etablierter Medien – aber das ist ein anderes Thema) nicht immer der Fall. Ihre Advertorials sind nicht von normalen Beiträgen zu unterscheiden. Mit Glück steht im Text, dass jemand für diesen Beitrag bezahlt hat. Damit sind die Anforderungen des Gesetzgebers jedoch nicht erfüllt. Denn die Kennzeichnung soll bewirken, dass der Leser vor dem Lesen weiß, hier kommt ein Werbebeitrag.

Das Geschäft mit Werbung ist schwierig

Nur wenige Blogs erreichen die notwendige Größe, um wirklich interessant für Werbetreibende zu sein. Daher fehlt ihnen in der Regel der Zugang zu den Marketing-Verantwortlichen in den Unternehmen. Eine Chance auf lukrative Werbedeals haben hauptsächlich die, die in Vermarktungsnetzwerken organisiert sind. Für den großen Rest verkommt das Feld der Advertorials zu einem reinen SEO-Thema. Und so schlägt sich die Mehrzahl der Blogger mit SEO-Agenturen herum. Auch wenn sich diese PR-Agenturen nennen, am Ende wollen alle nur das Eine: einen Link!

Der Blogger soll über das Produkt schreiben und es verlinken. Dafür darf er das Produkt behalten oder bekommt – im besten Fall – eine Vergütung. Kann man alles machen. Doch dann sollte jedem klar sein, dass solche Beiträge eine ordentliche Kennzeichnung erfordern. Ohne diese dürfte das abmahnbar sein.

Dazu bekommt der Blogger gegebenenfalls auch Problem mit Google. Denn der Suchmaschinen-Gigant erwartet eine Kennzeichnung (rel=“nofollow“) bezahlter Links. Wer dagegen (wiederholt) verstößt, der fliegt aus dem Index. Insofern sollte sich jeder gut überlegen, ob er sich auf ein unter Umständen schlechtes Geschäft mit einer windigen SEO-Agentur einlässt.

Wo ist die Grenze zwischen Berichterstattung und Werbung?

Ich kann nachvollziehen, dass das alles für Hobby-Blogger zu viel ist. Sie möchten aus Spaß an der Sache einfach nur über etwas schreiben, das ihnen gefällt. Trotzdem stehen ihre Texte – Google sei dank – im Wettbewerb mit den Texten der Blogger, die vom Bloggen leben möchten. Das führt natürlich zu Interessenskonflikten. Ich höre ich immer wieder von Profibloggern hauptberuflichen Bloggern, die von Unternehmen Produktionskostenzuschüsse für ihre Arbeit fordern.

Das geht soweit, dass der Eine oder Andere nur über Produkte berichtet, wenn der Hersteller dafür bezahlt. Diese Praxis führt teilweise zu bizarren Blüten. Kürzlich erlebte ich, wie ein „Profi“ den nachrichtlichen Text eines Anderen fälschlicherweise als nicht gekennzeichnete Werbung öffentlich an den virtuellen Pranger einer Facebook-Gruppe stellte. Er irrte und nebenbei wirft das alles kein gutes Bild auf die Welt der Blogs.

Denn nachvollziehen kann ich den Schrei nach finanziellen Zuwendungen nicht. Wo eine Bezahlung die Voraussetzung für eine Berichterstattung ist, verlieren Blogs in meinen Augen ihre Unabhängigkeit. Sie sind dann einfach nur noch „normale“ Online-Zeitungen. Damit bewegen sich auf einem Feld, auf dem sie gegen die echten Profis in den Verlagen nicht bestehen können. Denn welcher Blogger kann sich schon eine SEO-Abteilung leisten?

Dazu ist die Annahme naiv, dass die Zahlung (auf Dauer) nicht mit einer Einflussnahme verbunden sein soll. Damit führt dieser Weg die Blogs, die so handeln, am Ende nur in die eigene Bedeutungslosigkeit. Jede Zuwendung gefährdet die Unabhängigkeit und sägt damit an der Glaubwürdigkeit des Blogs. Und ohne Glaubwürdigkeit wird das Blog auf Dauer keine Leser binden. Damit ist es für normale Geschäftspartner wertlos.

Was mir beim Bloggen wichtig ist

Seit 1998 beschäftige ich mich mit der Konzeption und der Durchführung von Online-Projekten. Im Berufsleben, das bei mir meist nicht nur von „neun bis fünf“ reicht, und im Privatleben. Das erste eigene Projekt war meine Homepage. Das dürfte ebenfalls 1998 gewesen sein. Seit dem hat sich viel verändert.

schwede.de 2000

schwede.de in der Gestaltung vom März 2000 – Würde den Fragebogen übrigens in vielen Punkte heute ähnlich ausfüllen. Ungeduldig und Kämpferisch bis ich auch heute noch. Helmut Kohl ist weniger von Interesse.

Denn damals war es cool so etwas zu haben. Das reichte. Doch damit endete die Geschichte dann bald. Das Ding lief einfach so mit. Im Hauptjob konzipierte ich bald den Internetauftritt eines großen Versicherungskonzerns, lernte damit endgültig die Welt der Interaktion kennen. Begriffe wie Visits, Visitors, Click-Raten, Leads und Online-Anfragen drangen in mein Berufsleben ein. Damit war mein persönliches Online-Budget dann aufgebraucht – privat gab es Wichtigeres.

Plötzlich war ich Blogger

Ab 2004 belebte sich meine private Online-Welt. Ich begann, einmal pro Woche ein Foto online zu stellen und darüber zu schreiben. Meine Homepage wurde langsam zum Blog. 2007 folgten weitere Blog-Projekte. Dieses Blog entstand als Kulturblock. Dazu gab es bald ein Auto-Blog, das inzwischen den Großteil meines Zeitbudgets beansprucht. Und irgendwann folgte dann auch noch ein Blog für Pendler. Damit war ich einer dieser Blogger. Im Laufe der Zeit gab es noch viel mehr Ideen für spannende Themen und Projekte.

Aber Zeit ist endlich. Genug ist genug. Schon jetzt lässt sich nicht alles mit der gewünschten Intensität bedienen. Über das ganze Schaffen vernachlässigte ich oft die, die mir wirklich wichtig sind. Und dann steht das Wichtigste im Leben bald auf „Auf Messers Schneide“. Um das zu vermeiden, habe ich begonnen, einiges zu verändern. Sicherlich wird das kompliziert und gewiss auch nicht immer einfach. Doch ich weiß inzwischen, wie wichtig Konzentration ist. Nur mit der notwendigen Konzentration lässt sich Leidenschaft leben.

Weniger ist mehr!

Deshalb werde ich auch meine Blog-Landschaft bereinigen. Ich werde mich auch von Projekten trennen und von Themen verabschieden. Dafür im Gegenzug andere Themen stärken. Das Thema Bloggen selbst zum Beispiel. Mit Konzentration und Leidenschaft habe ich in diesen Artikel schon zwei Punkte beschrieben, die ich auch beim Bloggen wichtig finde. Sie sind schon eine gute Grundlage. Dazu sind in meinen Augen Qualität und Inhalte weitere Bausteine für ein gutes Blog.

Und damit ist Bloggen dann oft harte Arbeit. Nehmen wir zum Beispiel mal das Thema Versicherungen. Ich hätte in der Vergangenheit gerne ein Blog dazu gestartet. Doch aus Angst vor Konflikten, schließlich bin ich im Hauptjob unter anderem dafür mitverantwortlich, habe ich bisher kein Versicherungsblog auf die Beine gestellt. Dabei ist gerade beim Thema Versicherungen Aufklärung wichtig. Hier gilt – wie so oft im Leben – dass „Geiz gar nicht geil ist“.

Das ist ein Punkt der viele Versicherungsvertreter umtreibt. Denn Sie kämpfen im Alltag gegen den Druck der TV-Werbung, der etwas anderes erzählt. Dabei ist es doch einfach: Wer nur auf den Preis schaut, verzichtet oft auf eine geeignete Lösung. Über diese Probleme zu schreiben, ist in meinen Augen ein guter Ansatz, um als Versicherungsfachmann seine Dienstleistung als beratender Außendienst zu vermarkten.

Wobei ich dabei mit dem Ansatz der Vermarktung zurückhaltend wäre. Ich würde keinesfalls in jedem Artikel ein direktes Angebot zu meinen Leistungen platzieren. Mir würde reichen, mich auf der Seitenleiste mit einem Bild und meiner Vita zu präsentieren. Denn Corporate Blogging ist nach meinem Verständnis ein Content Marketing Instrument. Damit wirkt es über den mittel- und langfristigen Vertrauensaufbau. Und genau der funktioniert nicht, wenn das eigene Angebot zu plump im Vordergrund steht.

Auf den Eindruck achten!

Denn ein guter Eindruck ist für den Einstieg ins Empfehlungsmarketing 2.0 wichtig. Schließlich reden wir hier von einem Online-Angebot. Das muss sich verbreiten. Dazu zählt auch, dass andere es weiterempfehlen. Über Signale in Sozialen Netzwerken und über Links. Deshalb gehören in meinen Augen unbedingt Facebook, Google+ und eine Weiterleitungsmöglichkeit auf die Seite. Was dann aber auch einen entsprechenden Datenschutz-Hinweis erfordert.

Für alle Arten der Weiterempfehlung – auch Links sind am Ende nichts anderes – achte ich – inzwischen – bei meinen Blogs auch darauf, einen guten Eindruck zu machen. Eine gute Investition war die Rechtschreibprüfung des Duden. Die gibt es online oder als Erweiterung für Office-Programme. Natürlich vermeidet das nicht alle Fehler. Aber die gröbsten Schnitzer lassen sich so vermeiden.

Dazu hilft es in meinen Augen auch, die eigenen Texte auf Verständlichkeit zu prüfen. Ich verwende dazu das Online-Tool der Textagentur Wortliga. Bewährt hat sich auch die Praxis des Gegenlesens. Zumal sich in der Diskussion über den Text dann oft auch zusätzliche Aspekte für den Inhalt des Artikels ergeben.

Hilfreich dafür, dass Menschen Ihr Blog weiterempfehlen, ist auch die Aufbereitung auf der Seite. Kurze aktive Sätze. Dazu ein Gedanke ein Absatz. Das sollte alles Standard sein. Ich verstehe nicht, warum das so oft nicht der Fall ist. Dazu verpacke ich die wichtigsten Fakten oft auch in Aufzählungslisten. Damit fallen sie den Betrachtern, die eine ihnen unbekannte Seite oft zunächst nur überfliegen und nicht lesen, mehr ins Auge.

Gut funktioniert auch das Angebot von Bildern. Bleiben wir mal beim Thema Versicherungen. Wenn ich bei der Kfz-Versicherung über einen Maderschaden schreiben wollte, dann würde ich das immer mit einem Foto garnieren. Und dabei würde ich auch die Meta-Daten des Fotos pflegen, um an die Nutzer von Bildsuchmaschinen zu bedienen.

Auf den Inhalt kommt es an!

Damit verlassen wir den Bereich der Formalien. Und kommen zu des Pudels Kern. Denn am wichtigsten sind die Inhalte. Klingt abgegriffen, ist aber so. Und gerade da liegt doch für einen Versicherungsvermittler und sein Blog in meinen Augen die Chance. Kaum eine Berufsgruppe hat das Ohr so dicht am Kunden.

Damit kennt sie die Sorgen und Nöte ihrer Klientel. Daraus würde ich – natürlich anonymisiert – Geschichten machen. Denn wer sich nur etwas mit Menschen und ihrer Internet-Nutzung beschäftigt hat, der weiß: Menschen suchen im Netz Lösungen. Ich bin sicher: Wer die übersichtlich zu präsentieren versteht, findet mit seinem Blog ganz von alleine neue Kunden.

Zusammengefasst: Bloggen erfordert Konzentration und etwas Leidenschaft. Dazu aber auch einen Anspruch an die eigene Qualität. In meinen Augen gehört dazu deshalb auch eine Kontrolle der Rechtschreibung und der Verständlichkeit. Und natürlich auch gute Geschichten, die tatsächlich Fragen der Leser beantworten.

Ben Fischer, ich will Deine Mails nicht!

SPAM war ursprünglich nur ein Markenname für Dosenfleisch. Heute ist es ein Synonym für unerwünschte Botschaften.

Das geht zurück auf einen Sketch der englischen Comedyserie Monty Python’s Flying Circus. In diesem besteht die Speisekarte eines Cafés fast ausschließlich aus Gerichten mit dem Dosenfleisch. Jede Erwähnung des Wortes führt dazu, dass eine Gruppe Wikinger lauthals ein Lied anstimmt, dessen Text ebenfalls fast aus dem Wort Spam besteht. Es macht jede normale Kommunikation unmöglich. Ähnlich nervig sind Massenmalis.

Als Internet-Nutzer lernst Du früher oder später das Problem mit unverlangter Werbung kennen. In jüngster Zeit schreibt mich beispielsweise regelmäßig ein “Ben Fischer” an. Dort heißt es:

Guten Tag, mein Name ist Ben Fischer. Ich repräsentiere die Firma Web Agentur.

Die Werbung in den Suchmaschinen ist eine der günstigsten und erfolgreichsten Formen der Reklame im Internet.

Wir haben Ihre Internetseite besucht und festgestellt, dass sie sehr gut aussieht. Leider haben wir Ihre Webseite in den populärsten Suchmaschinen (Google, Yahoo, Bing) für die meisten Suchwörter nicht gefunden.

Wir bieten Ihnen die Durchführung der Optimierung und der Positionierung Ihrer Seite gegen eine sehr preisgünstige, einmalige Gebühr an.

Wir gewährleisten Ihnen eine schnelle Steigerung der Position Ihrer Seite sowie die Sicherheit und die Vertraulichkeit der Daten. …

Da es Ben Fischer offensichtlich wichtig ist, mir zu helfen, hat er mich in den vergangenen Wochen gleich mehrfach angeschrieben. Immer übrigens mit dem Hinweis, dass sein Angebot nur heute besonders günstig sei. Ein Schelm, wer dabei an einen großen Online-Händler denkt.

Leider hat Ben mit seinen Mails mein Interesse nicht geweckt. Zumal ich von einer professionellen Web Agentur natürlich erwartet hätte, dass sie zumindest andeutet, welche Suchbegriffe sie zu ihrer Aussage veranlasst haben.

Pustekuchen!

So professionell ist die Firma Web Agentur nicht. Denn dann wüsste Sie sicher auch, dass unverlangte Mail natürlich Geschäftspost ist und deshalb leider ein paar juristische Pflichtangaben beinhalten müssen. Und auch auf der Webseite sieht es nicht besser aus.

Dort gibt es zunächst eine Handy-Nummer zur Kontaktaufnahme. Aber die notwendigen Pflichtangaben sind auch hier unvollständig. Zudem gibt es dort eine Post-Adresse. Doch war es auch schon. Den Grundsätzen der Firmenklarheit wird das “Impressum” nicht gerecht. Der Firmenname fehlt genauso wie eine Information zur Rechtsform der Firma.

Leider kann ich das alles Ben Fischer nicht schreiben. Denn auch interessierte Empfänger können Ben Fischer nicht antworten. Mails an ihn kommen unzustellbar zurück!

Liebe WAZ, kauf Dich mal eine Tüte Deutsch!

Natürlich schreibe auch ich nicht fehlerfrei. Doch das Gröbste haben mir meine Lehrer beigebracht. Zum Gelernten gehört, Zweifelsfälle mit dem guten alten Duden zu überprüfen. Leider kenne ich viele Blogger, die das zu oft vergessen. Doch offensichtlich ist das kein Problem von Bloggern. Auch Journalisten machen Fehler. So lass ich heute im Onlineportal der WAZ folgenden Satz:

Am Ende verschafften sich die Täter durch die Wand zu tritt.

Hier mal der Beleg als Bildschirmfoto:

Bildschirmfoto derwesten.de vom 25.09.2014

Bildschirmfoto derwesten.de vom 25.09.2014

Armes Deutschland, wenn die Profis nicht besser als die Amateure sind. Denn dann müssen die Profis aufpassen, dass sie nicht überflüssig werden.

Lauter nackte Promis bei Herrn Schmidt im Wohnzimmer

Was fotografieren die Leute eigentlich mit ihren Smartphones? Das Essen? Ihre Hotelzimmer? Gelegentlich! Richtig ab geht es wohl nur, wenn die Hüllen gefallen sind. Zumindest bei vielen Promis scheint dies der Fall zu sein. Denn fast täglich tauchen neue Nacktbilder auf. Unzureichenden Sicherheitseinstellungen sei dank, haben wir das oft zweifelhafte Vergnügen, unsere voyeuristischen Triebe zu befriedigen.

Wobei das mit dem Vergnügen oft nur mittelbar der Fall ist. Denn die meisten Bilder sind nicht interessanter als es die von Frau Schmidt (*) aus unser Nachbarschaft, wären. Doch deren Bilder, wenn es sie denn gibt, interessieren keine Sau. Vermutlich auch Herrn Schmidt nicht mehr. Denn wer in unserer Strasse etwas indiskret ist, kann leicht einen Blick in das Wohnzimmer von Familie Schmidt werfen.

Selbst wenn beide im Zimmer sind, geht das Paar gern getrennte Wege. Sie ist eine regelmäßige TV-Guckerin. Die Glotzkiste steht rechts. Sie sitzt beim Fernsehen in der Mitte des Zimmers. Ihr Lieblingssender ist nach einer zweifelsfrei nicht vollständigen Analyse das ZDF. Er liebt seinen PC, der an der linken Wand des Wohnzimmers steht. Dabei ist ihm offensichtlich nicht bewusst, dass größere Zeitgenossen ihm vom Bürgersteig aus über die Schulter blicken können.

Leicht Bekleidete habe ich schon öfter über seinen Bildschirm flimmern sehen. Heute ging Herr Schmidt einen Schritt weiter. Von außen gut sichtbar stand auf seinem Bildschirm: Private Nacktfotos im Internet. Hatte der Kerl doch tatsächlich “Spaß” an offensichtlich geleakten Bildern von Rihanna und Kirstin Dunst. Nun denn, jeder wie er es mag!

(*) Namen dem Verfasser bekannt und hier geändert

Verzweiflung pur – CONTAXE stellt den Betrieb ein und verkauft sich bei ebay

CONTAXE bei ebay - 1.5.2014

Der Markt der Onlinewerbung wird von Google dominiert. Diese Position haben sich die Amerikaner vor rund zehn Jahren mit guten Produkten erkämpft und seitdem verteidigt. Zu den Herausforderern gehörte auch CONTAXE. Das Schweizer Unternehmen, das bis heute noch nicht einmal mit einem Wikipedia-Eintrag gewürdigt wurde, sah sich bisher als kreative Alternative, die besonders im deutschen Sprachraum tätig war. Kreativ mag man ja gewesen sein. Erfolgreich offensichtlich nicht.

Zwar sprach CONTAXE bis zuletzt auf seiner Webseite davon, 22.000 Partner zu haben, die die Plattform nutzen, doch nachhaltiger Erfolg sieht wohl anders aus. Schon vor ein paar Monaten stellte sich das Unternehmen deshalb zum Verkauf. Ein Käufer fand sich bisher nicht. Deshalb stellte CONTAXE nun den Betrieb ein. Die Ankündigung ist gespickt mit teilweise wüsten Anschuldigungen. So heißt es dort, dass die Politik, Wettbewerbsbehörden und Justiz genügend Zeit hatten, um dem gravierenden Fehlverhalten von Google ein Ende zu bereiten. In weiteren Ausführungen spricht das Unternehmen vom Korruptionssumpf in Brüssel und wird eine Google-Direktorin zwischen den Zeilen als Lügnerin beschuldigt.

Offensichtlich lebt man in der Schweiz in seiner eigenen Welt. Denn bereits vor ein paar Wochen klagte CONTAXE Google in einem offenen Brief an. Das ist alles ziemlich lächerlich. Und gipfelt darin, dass sich das Unternehmen bei ebay anbietet. Für 3.500.000 Euro kann das Unternehmen als Sofort-Kauf erworben werden. Der Startpreis liegt bei 1.100.000 Euro. Satte vier Tage haben Interessenten Zeit zum Gebot. Die Auktion ist nur als letzter verzweifelter Hilfeschrei zu werten. Ernst nehmen kann man das wohl nicht. Ein Käufer wird sich so vermutlich nicht finden lassen. Also werden dort vermutlich schneller als gedacht endgültig die Lichter ausgehen.

Aber vielleicht reduziert CONTAXE ja noch den Startpreis. So etwas kommt ja vor. Der Berliner Großbäcker Horst Schiesser kaufte zum Beispiel 1986 für eine symbolische Deutsche Mark die Neue Heimat. Bei einem Startpreis von einem Euro würde ich glatt in das Gebotsverfahren für CONTAXE einsteigen.

Das LG Köln liegt im Tal der Ahnungslosen

In der „DDR“ galten die Bereiche im Nord- und Südosten als das Tal der Ahnungslosen, weil sie kein West-Fernsehen empfangen konnten. Im heutigen Internet-Zeitalter liegt das Tal der Ahnungslosen offensichtlich in Köln. Denn anderes ist es fast nicht zu erklären, dass das Landgericht Köln sich innerhalb weniger Monate mehrfach als Internet-DAU outet.

Erst lassen sich die Richter im Fall „RedTube“ von abenteuerlichen technischen Gutachten blenden, nun legen sie mit einem Urteil zur Nutzung von Bildern aus Bilddatenbanken noch einen nach. Klicken sie auf einer Webseite einfach mal mit der rechten Maustaste auf ein Bild und wählen im Kontextmenü den Punkt „Bild in einem neuen Fenster öffnen“ aus.

Ihr Webbrowser zeigt Ihnen dann nur das Bild an. Der Vorgang ist irgendwie mit der Nutzung einer Schere vergleichbar, wenn Sie ein Bild aus einer Zeitung ausschneiden. Unter der Voraussetzung, dass das Bild aus einer Bilddatenbank stammt und nach dem „Ausschneiden“ kein Hinweis zum Fotografen sichtbar ist, hat der Betreiber der Webseite, wo Sie das Bild gefunden haben, jetzt einen Verstoß gegen das Urheberrecht begangen.

Zumindest in der Vorstellungswelt der Richter am Landgericht Köln. Denn die haben im Streit zwischen einem Fotografen und einem Webseitenbetreiber genau diese Auffassung vertreten. Natürlich ist diese Meinung weltfremd. Denn die Idee, die Bilder zu bearbeiten, um eine Beschriftung zusammen mit dem Bild in einer Datei abzuspeichern, ist weit ab von allen technischen Standards.

Die Idee – wegen einiger Fotos aus Blddatenbanken – Bildern über das Auswerten des Referers in der .htaccess bedingt zu blocken, funktioniert nicht in allen Browsern. Zudem werden die Bilder dann auch in RSS-Feed-Readern nicht dargestellt. Dieser zum Beispiel von Viktor Dite vorgeschlagene Weg ist deshalb in meinen Augen keine brauchbare Lösung.

Funktionieren würde aber ein Aufbau, indem jeder Bildaufruf vom Webserver mit modrewrite auf ein Skript umgelenkt und der direkte Aufruf der Bilder geblockt wird. Das Skript prüft den Referer und erzeugt – wenn der Referer nicht die eigene Seite ist – dynamisch eine um die Urheberdaten erweiterte Bilddatei.

So eine Technik habe ich vor zehn Jahren genutzt, um in Bildern die IP-Adresse und das Datum des Abrufs per Steganographie zu verstecken. Damals was ein Ansatz, Urheberrechtsverstöße aufzudecken. Aber natürlich könnte man ohne Problem auch dynamisch Texte ins Bild schreiben. Ich glaube, ich muss die alten Sourcen dazu mal raussuchen.

Aber zunächst werde ich jetzt mal am LG Köln die Bildzeitung abmahnen lassen, weil Leute ein von mir dort veröffentlichtes Leserfoto ausscheiden können. Das bringt auf die Schnelle mehr Geld 😉